Würden Sie als Vermieter die Miete an den Mieter zahlen?

13. Sep 2019 | Blog

VON Peter Ladreiter

Das ist wohl eine Frage, die sich von selbst beantwortet, natürlich NEIN. Genau dasselbe haben wir uns bisher auch bei den Anleihemärkten gedacht, wo es bis vor Jahren üblich war, für das Überlassen von Geld für eine bestimmte Zeit durch Ankauf einer Anleihe Zinsen zu bekommen, welche umso höher waren, je länger die Laufzeit und je schlechter die Bonität des Schuldners ist. Niemand wäre damals auf die Idee gekommen, dass es jemals anders herum sein könnte.

 

An den EUR-Rentenmärkten der heutigen Zeit ist es mittlerweile fast selbstverständlich, als Anleihegläubiger zumindest bei guter Bonität des Schuldners Zinsen an den Schuldner zu zahlen anstatt zu bekommen. Dieser Effekt wurde in den letzten Wochen sogar verstärkt, sodass zunehmend Anleihen längerer Laufzeit und schwächerer Bonität in den Genuss dieser negativen Zinsen kommen.

 

Diese Entwicklung ist ausgehend vom Ende der letzten großen Finanzkrise 2008/2009, also seit mittlerweile über 10 Jahren, unaufhaltsam vorangeschritten. Man darf mittlerweile davon ausgehen, dass dieses Phänomen von Dauer sein kann und wird, wie es Japan schon längere Zeit vorführt. Die Konsequenzen für (zu) konservative Anleger sind extrem einschneidend, diese werden über die kommenden Jahre und Jahrzehnte infolge der Inflation schleichend enteignet, was in der Wirkung einer Vermögenssteuer für konservative Anlagen gleichkommt.

 

Ohne flächendeckendes Umdenken in der Handhabung von Finanzvermögen der breiten Masse, welches großteils auf Sparbüchern liegt, wird es wohl zu dieser ''kalten'' langfristigen Aufzehrung dieser Vermögen kommen. Das Alarmierende dabei: Dass die breite Masse (vor allem die Mittelschicht) - natürlich unbewusst - bereit ist, für den Besitz ihres Vermögens "die Miete zu bezahlen". 

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