Zukunftsmusik

06. Dez 2019 | Blog

Die europäische Umweltagentur (EEA) hat kürzlich einen Bericht über den Zustand der Umwelt in Europa veröffentlicht.


Natürlich wird immer wieder in den Medien reißerisch über das Thema Klima und Umwelt berichtet. Es ist jedoch oft schwierig, den Übertreibungen und Verzerrungen, die durch die Medienbearbeitung entstehen, auf eine Art auszuweichen, dass nur mehr die Fakten übrigbleiben. Deshalb ist es immer wieder hilfreich, sachliche Berichte zu dem Thema zu lesen. Eine Kurzzusammenfassung der Ressourcensituation und der Entwicklung unserer Erde sieht so aus:

  • Verdreifachung der Bevölkerung seit 1950 auf 7,5 Milliarden
  • Vervierfachung der Bevölkerung in Städten seit 1950 auf 4 Milliarden
  • Zwölffache Wirtschaftsleistung seit 1950
  • Energieverbrauch verfünffacht, Düngemittelverwendung verzwölffacht seit 1950
  • Armut: Von 41% der Weltbevölkerung in extremer Armut auf weniger als 10% 2015
  • Aber weltweit ca. 75% der terrestrischen Umwelt und 40% der Meeresumwelt gravierend geschädigt
  • Dramatischer Verlust an Biodiversität und Artenvielfalt

 

Prognose

  • Bevölkerungzuwachs auf 10 Milliarden bis 2050
  • Ressourcenverbrauch: Verdopplung bis 2060
  • Wasserbedarf: Anstieg um 55% bis 2050
  • Energiebedarf: Anstieg um 30% bis 2040

 

Die EU hat sich bis 2020 zahlreiche umweltpolitische Ziele gesetzt, um das Naturkapital (welch schönes Wort!) der EU zu schützen und zu verbessern. Dieses Ziel konnte nicht erreicht werden, nur 23% der geschützten Arten und nur 16% der Lebensräume sind in einem zufriedenstellenden Zustand. Die einzigen Erfolge bestehen in der Ausweitung von terrestrischen und Meeresschutzgebieten, in denen sich einige Arten erholen konnten. Zudem hat sich die Wasserqualität in der EU allgemein verbessert, aber das Ziel, einen guten ökologischen Zustand aller Gewässer zu erreichen, ist noch in weiter Ferne. Zu guter Letzt weisen 62% der europäischen Ökosystemflächen einen zu hohen Stickstoffgehalt auf.

 

Die Ergebnisse hinsichtlich Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft sehen besser aus. Die Treibhausgasemissionen sind von 1990 bis 2017 um 22% zurückgegangen, der Anteil erneuerbarer Energien ist stetig gestiegen und steht auf einem Wert von 17,5% im Jahr 2017. Die Energieeffizienz hat sich verbessert und der Materialverbrauch ist zurückgegangen. Die Wasserentnahme ist zwischen 1990 und 2015 um 15% gesunken. Die Wasserqualität von Badegewässern und Trinkwasser ist weiterhin auf hohem Niveau. Es gibt aber nicht nur Positives zu berichten. Einige Chemikalien widerstehen sogar den hochentwickeltsten Wasseraufbereitungsmethoden. Seit 2014 steigt der Endenergieverbrauch wieder, der bis dahin stetig sank. Und fast 20% der EU-Bevölkerung in Städten leben in Gebieten mit über den Grenzwerten liegenden Luftverschmutzungswerten. Schätzungsweise verursacht der Feinstaub allein jährlich europaweit bis zu 400.000 Todesfälle.

 

Bei der Formulierung neuer Ziele wird offensichtlich, dass sich die europäische Umweltagentur nicht mehr mit dem Erreichen von Einzelzielen zufriedengibt, sondern darauf abzielt, systemische Veränderungen anzustreben, weil die Erreichung eines Ziels nicht mehr gesondert betrachtet werden kann. Die Effekte könnten in anderen Bereichen unbeabsichtigte Schäden verursachten haben, die schwerer wiegen als der Erfolg der Erreichung eines Einzelziels. Eines der systemischen Ziele, das angestrebt wird, ist der „EU-Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzwesen“ bzw. das Bestreben, den Finanzsektor zu nachhaltigen Investitionen anzuleiten. Aber nicht nur im Finanzsektor, auch in allen angegebenen Bereichen werden alle Regierungen eng zusammenarbeiten müssen, um den besorgniserregenden Zustand unserer Umwelt zu verbessern und die Hoffnung machenden Entwicklungen weiter zu fördern. Die EU stößt hierbei sicher bei ihren Mitgliedsstaaten auf mehr Bereitschaft, umweltpolitische Maßnahmen durchzusetzen, als die UNO, die sich Staaten wie z.B. den USA gegenübersieht, die derzeit den Blick von der Realität abwenden. Diese Bereitschaft gilt es so schnell wie möglich zu nutzen, um unsere Erde vor zusätzlichem Schaden zu bewahren. Meiner Meinung nach sollte die EU ihre Ziele viel höherstecken, um z.B. statt einer ausgeglichenen CO2-Bilanz eine positive Nettobilanz anzustreben, um damit wieder aufzubauen, was wir bereits zerstört haben.

 

Der sehr interessante und informative Bericht kann HIER abgerufen werden.