Apokalypse Now!

13. Dez 2019 | Blog

VON Alfred Kober

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und pünktlich zur Vorweihnachtszeit setzt ein sich alljährlich wiederholendes Phänomen ein. Nein, ich meine keine ausgelassenen Weihnachtsfeiern, guten wohlschmeckenden Punsch um die Ecke und auch nicht die überfüllten Kaufhäuser. Vielmehr möchte ich die Flut an Marktprognosen ansprechen, von der die Branchen alljährlich überschwemmt werden. Es ist eine große Herausforderung, dabei die Übersicht zu behalten. Der Bogen umspannt das komplette Programm: Beginnend von einer bevorstehenden Super-Hausse auf der Aktienseite bis hin zur Komplettimplosion des Finanzsystems. Ganz nach dem Motto: Suchen sie sich etwas Schönes aus – bestimmt ist auch für sie das Passende im Programm.


Die Glaskugeln werden in dieser besinnlichen Vorweihnachtszeit besonders strapaziert und um sich in dieser Sortimentsvielfalt auch das nötige Gehör zu verschaffen, bedarf es einer Portion an Kreativität. Aufmerksamkeit um jeden Preis! Ja, unter diesem Deckmantel wird publiziert, dass sich die Balken biegen – getanzt wird dabei der komplette Reigen. „This is the last bull market in your life-time” und “A global crash is just around the corner” zählen dabei noch zu den harmloseren Headlines. Auch ich ertappe mich immer wieder dabei, genau diese Artikel dann auch zu lesen. Aus Marketingsicht haben die Verfasser die Mission erreicht! Dass sich Angst hervorragend verkauft, wird uns in dieser besinnlichen Adventszeit konzentriert vor Augen geführt. Die „Wall Street“ genießt seit jeher den wenig löblichen Ruf, Meister des Verkaufs zu sein. Selbstverständlich umspannt die Toolbox auch die Palette an psychologischen Faktoren!

 

Quelle: IDBeditorials.com


Aufmerksamkeit um jeden Preis! Crashpropheten, die übrigens dieser Tage besonders häufig unsere Wege kreuzen, stützen sich merklich verstärkt auf den Faktor „Angst“. Deren oft plausible Argumentationslinie wird jedoch von äußerst miserablen Ergebnissen durchkreuzt. Zu komplex ist das System – zu viele Variablen nehmen Einfluss auf die Entwicklung der Kapitalmärkte. Isaac Newton, wohl einer der smartesten Wissenschaftler unserer Geschichte, ging mit der Aussage „I can calculate the motions of the heavenly bodies, but not the madness of the people” in die Annalen der verhaltensorientierten Finanzökonomie ein. Trotz all seiner unbestrittenen Intelligenz verlor er ein Vermögen am Aktienmarkt, ein Klassiker. In der Gegenwart sind es die großen Namen wie Paul Krugman, Mark Faber, Nouriel Roubini etc., die sich immer wieder lautstark zu Wort melden und weltweit Gehör finden. Deren „Track-Record“, wie es die leistungsbezogene Fachsprache so schön umschreibt, ist allerdings ernüchternd und wenig befriedigend.


Exemplarisch dafür sind nachstehend die Auswirkungen der Einschätzung auf den US-Aktienmarkt seitens dieser „Big Names“ dargestellt. Bereits vor knapp 10 Jahren sahen sie die ersten dunkle Wolken aufkommen. Im Zuge laufend steigender Kurse am Aktienmarkt hätte der Ausstieg aus dem Markt und der Einstieg in ein Anleiheninvestment zu schmerzlichen Opportunitätskosten von über 60% geführt. Ein fatales Ergebnis, das uns wieder einmal eindrucksvoll eines unserer Grundgesetze vor Augen führt: Kapitalmärkte lassen sich kurzfristig nicht prognostizieren! Eine „harte Portfolioausrichtung“ an den kolportierten Einschätzungen hätte längst ein Ende unserer beruflichen Laufbahn zur Folge gehabt.

 

Quelle: JPMAM, Bloomberg


Aktuelle Aktien- und Anleihenkurse verarbeiten sämtliche Informationen am Markt und drücken diese in handelbare (Gleichgewichts-)Kurse aus. Sehr wahrscheinlich finden sich gegenwärtig ähnlich viele Propheten, die kurzfristig Kurskorrekturen prognostizieren, wie anhaltende Kursanstiege. Beide Richtungen lassen sich mit einer Reihe an plausiblen Argumenten unterlegen. Gehör finden zumeist die extremen Standpunkte, die in aller Regel nicht eintreten. Zufällige Treffer verleihen den Meinungsbildnern für Jahre hinweg den Guru-Status. All diese zweifellos überdurchschnittlich, intelligenten Marktgrößen bleiben uns allerdings eine nachhaltig korrekte Markteinschätzung schuldig. Daran wird sich auch weiterhin wenig ändern.


Mit diesem Beitrag will ich zu mehr Besonnenheit und Realismus aufrufen, insbesondere was die mediale Berichterstattung in diesen Tagen betrifft. Solider Vermögensaufbau ist langfristig aufgesetzt, soll sich „langweilig“ anfühlen und baut auf dem Faktor der Risikotoleranz auf. Schwankungsschübe sind ständiger Begleiter an den Kapitalmärkten – diese gilt es durchzustehen. Nur dann lassen sich gesetzte Ziele auch erreichen. Niemand kennt die Zukunft und aus dem Ruder gelaufene Marktverhältnisse halten oft länger an als uns recht ist. Die vielen gegenwärtigen globalen Ungleichgewichte sind ein guter Beweis dafür. Die Erde dreht sich weiter und gefühlte gegenwärtige Missstände werden künftig nur eine kurze Episode in der langen Historie der Kapitalmärkte einnehmen.


In diesem Sinne wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest!

 

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: alfred.kober@securitykag.at