Lieber 1000 Sterne am Himmel als 5 an der Hoteltür

14. Feb 2020 | Blog

VON Philipp Ebner

Ganz nach dem Titel meines Blogbeitrages haben wir uns Gedanken über die zukünftige Ausrichtung unserer Urlaube gemacht und sind auf die Idee gekommen, etwas Neues auszuprobieren. In den letzten 2 Jahren hat sich unser Urlaubsverhalten aufgrund unserer Neuzuwächse maßgeblich verändert und so mussten wir der traurigen Tatsache ins Auge blicken, dass die Gerüchte über massiv strapazierte Urlaubsbudgets für Familienurlaube tatsächlich stimmen. Um den Krieg der Hotelsterne, Frühbucher- und Urlaubsrabatte nicht ständig im Schützengraben verbringen zu müssen, haben wir mit dem Gedanken gespielt, die eigenen vier Wände einfach mit auf Reisen zu nehmen und uns nach längerer Recherche dazu entschlossen, einen Wohnwagen in den Familienfuhrpark mitaufzunehmen. Nach anfänglichen Platzproblemen für das Ungetüm konnte mittlerweile ein trockener Stellplatz gefunden werden und wird momentan für die erste Ausfahrt mit den notwendigen Campingutensilien bestückt.


Bei genauerer Nachforschung lassen sich interessante Erkenntnisse über die Caravan-Branche gewinnen. So erfreut sich das Reisen mit Wohnwagen oder Wohnmobil in Europa immer größerer Beliebtheit. Im Jahr 2019 konnte zum ersten Mal die 210.000 Marke für Neuzulassungen überschritten werden. Was einen YoY-Zuwachs von 4,1% für die Branche bedeutet. Im europäischen Vergleich konnte Deutschland, Dänemark und Finnland die Verkaufszahlen um 13,6%, 12,4% und 11,4% zum Vorjahr erhöhen. Wogegen Spanien mit einer Umsatzexplosion von über 25% auf die Speerspitze katapultiert wurde. Die Camper Könige innerhalb der EU befindet sich nach wie vor in den nordischen Breiten. Schweden, Niederlande, Norwegen und Dänemark haben Zulassungsraten von über 2% gemessen an der jeweiligen Einwohnerzahl. Aufgrund einer erlassenen “Klimasteuer” auf neuzugelassene Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, sind jedoch die Verkaufszahlen in Schweden im Jahr 2019 drastisch gesunken. So wurden um über 42% weniger mobile Wohnheime gegenüber dem Vorjahr verkauft.

 

Quelle: Caravaning Industrie Verband e.V., IWF, Security KAG


Deutschland, Großbritannien und Frankreich sind die Marktführer in den 3 Teilsegmenten - Neufahrzeuge, Gebrauchtfahrzeuge und Ausstattung - der Branche. Wohingegen auf Deutschland mit ca. 11.7 Mrd. EUR Umsatz der Löwenanteil abfällt. Der britische Markt verlor aufgrund BREXIT-Sorgen an Marktanteil.


Eine im Jahr 2018 veröffentlichte Studie lieferte interessante Einblicke in kulturelle Unterschiede der europäischen Campingnationen und über ihre Vorlieben, Gewohnheiten und Bedürfnisse. Die Ergebnisse der Onlineumfrage zeigten, dass Briten, Dänen und Schweden hauptsächlich mit einem Wohnwagen auf Reisen gehen. Ein konträres Bild liefern 83% der befragten Italiener, wonach diese Nation es bevorzugt, den Urlaub in einem Wohnmobil anzutreten. Im Durchschnittsalter und in der Vorliebe der Urlaubsdestination zeigte sich europaweit ein einheitliches Bild in der Camperszene. So geht der durchschnittliche europäische Camper mit 39 Jahren mit seinem Gespann auf Reisen und wählt zu 53% das Mittelmeer als Ziel seiner Begierde. Nur die Briten sind als Ausreißer des bevorzugten Urlaubortes zu erwähnen, denn sie campieren lieber im eigenen Land. Europaweit stehen die Deutschen mit 45% der Befragten unter den Campernationen hinsichtlich ihrer Liebe zur Nord- und Ostsee ziemlich alleine da. Im Hinblick auf den Campingplatz steht Sauberkeit bei 90% aller Befragten an erster Stelle, gefolgt von der Platzfreiheit zum Nachbarstellplatz. Betreffend den Urlaubsaktivitäten stehen Erholung, Ausflüge und Besuch von Sehenswürdigkeiten hoch im Kurs. Lediglich den Italienern reicht das nicht aus. Sie verbringen vorwiegend einen aktiveren Urlaub mit Sport, Wellness und Kultur. Dies spielgelt sich auch in der Interaktion mit ihren Liegeplatznachbarn wieder. Mit Italienern und Dänen ist die Wahrscheinlichkeit höher in persönlichen Kontakt zu treten, wohingegen der Kontakt mit uns Österreichern, sowie mit den Schweizern eher schwer gelingt. Eine weitere Gemeinsamkeit mit unseren westlichen Nachbarn zeigt sich in der Ausstattung der rollenden 4 Wände. So muss der Camper für beide Nationen ein möglichst großes Bett aufweisen.

 

Quelle: erwinhymergroup.com


Das Reisen mit Wohnwagen suggeriert immer ein Gefühl von Freiheit, Abenteuer und Unbeschwertheit, vor allem im Hinblick auf das Urlauben mit Kindern. Wir werden sehen, ob uns der Einstieg in diese Welt gelingt oder ob in Zeiten des Massentourismus und Blockabfertigungen an Grenzübergängen die Freude in einer Verkaufsanzeige verpufft.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: philipp.ebner@securitykag.at