Portugal und seine Bewältigung der Finanzkrise

03. Apr 2020 | Blog

VON Günther Moosbauer

Im 12. Jahrhundert gegründet, avancierte Portugal im 15. Jahrhundert als Seemacht zu einer der größten Kolonialreiche und beschritt im 17. Jahrhundert bereits wieder seinen Niedergang. Die erste Republik währte von 1910 bis zum Militärputsch 1926, dem für 40 Jahre eine autoritäre Diktatur folgte und erst 1974 mit der Nelkenrevolution in die heutige demokratische Republik mündete.


Seit 1986 ist Portugal Mitglied der EU. Die Einführung des Euro erfolgte 1999 und brachte billiges Kapital ins Land. Die Risikoeinschätzung der Kapitalgeber war allerdings völlig unrealistisch. 2007 betrug die Nettoauslandsverschuldung (der gesamten Volkswirtschaft) bereits 97,5% des BIPs.


Der Zustrom an Kapital wurde zu einem guten Teil fehlallokiert – die Produktivität nahm nicht zu, sondern ab. Die Lohnstückkosten stiegen um 3% jährlich, während die Arbeitsproduktivität um 1% stieg. Das Leistungsdefizit nahm beständig hohe Werte an.


Vor einer Immobilienblase, dessen Platzen Irland und Spanien ereilt hatte, blieb Portugal jedoch verschont. In Folge der Finanzkrise (2010-2013) führten die eingesetzten Sparpakete zu einer Rezession, die 2016 endete, und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit, der seinen Höchststand 2013 in der Höhe von 16,2% fand (danach Rückgang auf 7,1% 2018). Der Schuldenstand erreichte zwischen 2013 und 2016 sein Maximum von rund 130% des BIPs (danach Rückgang auf 121,4% 2018).


2016 wurde der bedeutende Erfolg einer reduzierten Neuverschuldung mit der Marke von 3% des BIPs erreicht und Portugal kam damit seinem Versprechen gegenüber dem europäischen Rettungsschirm nach. Positiv war auch zu bemerken, dass sich die Befürchtung, Portugal könnte 2018 in den Sog der italienischen Leitzinserhöhungen geraten, nicht bewahrheitet hat.


Portugal gilt mittlerweile als Vorzeigeland in der Bewältigung der Finanzkrise. Eine Sonderrolle in Europa kommt der Politik Portugals zu. Der Koalition der Sozialistischen Partei mit drei weiteren linksorientierten Parteien gelang es, trotz Sparpolitik eine breite Mehrheit der Bevölkerung für sich zu gewinnen. Insbesondere gelang es der Regierung, die Sparpolitik zu lockern und trotzdem ihren Verpflichtungen gegenüber der Europäischen Kommission nachzukommen. Allerdings übernahmen sie erst 2015 von der vormaligen rechtskonservativen Partei die Regierungsämter und konnten bis dahin gegen eine Sparpolitik Stimmung machen, die auch zu ihrem Erfolg beitrug. Seit der letzten Wahl im Oktober wird das Land von einer Minderheitsregierung des Wahlgewinners der Sozialistischen Partei geführt.


Die jetzige Krise trifft Portugal in der Unzeit, hatte es gerade die Wende erfolgreich geschafft und bereits Steuersenkungen vornehmen können. Ein neuralgischer Punkt für die wirtschaftlichen Aussichten wird dem Tourismus zukommen. Dafür wird aber möglicherweise erst eine Impfmöglichkeit die adäquate Voraussetzung schaffen, um wieder anspringen zu können. Hoffen wir das beste für das Land und seine bereits hart geprüften Bewohner.

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