Verteilungsfragen

24. Apr 2020 | Blog

VON Dieter Rom

Der aktuelle Wirtschaftseinbruch – ausgelöst durch das Coronavirus wird im Nachspann höchstwahrscheinlich zu größeren Umverteilungseffekten führen, die unsere Gesellschaft unterschiedlich belasten werden und auch von möglichen Verhaltensänderungen der Menschen abhängen. Folgende Umverteilungseffekte erscheinen im Bereich des Möglichen (Es werden nur einige Effekte aufgezählt):

 

1. Zwischen Wirtschaftsblöcken und Ländern

  • Verteilung hin zu Ländern mit starker Ausrichtung im Bereich IT und Digitalisierung. D.h. von Europa Richtung USA, China. Die Online „Monopole“ wie Amazon, Google, Skype, etc. erzielen in der Krise Marktanteilszugwinne, die zumindest teilweise bestehen bleiben werden.
  • Verteilung weg von Ländern mit starker Fokussierung auf Tourismus. Hier sind auch viele Länder Europas, bei denen der Tourismus einen großen Anteil der Wirtschaftsleistung stellt, stark betroffen wie z.B. Italien, Kroatien, Spanien.
  • Verteilung von entwickelten Staaten Richtung Emerging Markets. Der IMF erwartet für die entwickelten Länder einen Rückgang der Wirtschaftsleistung für 2020 von 6,5% in den entwickelten Ländern und von nur 1% in Emerging Markets. Im Jahr 2021 wird der Wirtschaftsrückgang von 2020 mehr als kompensiert (+6,6%). In den entwickelten Ländern nicht (+4,5%).
  • Verteilung hin zu Ländern, die ihre Finanzmärkte besser stabilisieren können. Die US-Notenbank hat z.B. seit Mitte März ca. 2.000 Mrd. USD in das Finanzsystem gepumpt und durch diese rasche Maßnahme den Aktienmärkt und auch die Kreditmärkte schneller stabilisiert als dies in Europa passiert ist. Europa ist hier leider in der Umsetzung zu langsam und zu wenig pragmatisch (Nimmt z.B. Deutschland einen Kredit über 30 Jahre auf, müssen von 100 EUR in 30 Jahren inklusive Zinsen nur rund 95 EUR zurückbezahlt werden. Nimmt Italien 100 EUR Kredit auf 30 Jahre auf, müssen die Italiener rund 240 EUR inklusive Zinsen zurückzahlen – und das im selben Währungsraum). So hat Europa wenig Chancen gegenüber den USA, wo die Geldpresse für den gesamten Währungsraum gleichmäßig aufgedreht wird.

 

2. Zwischen privatem und öffentlichem Sektor
Die Beschäftigten im öffentlichen Sektor werden ihre Jobs behalten, die Arbeitslosigkeit spielt sich im privaten Bereich ab.

 

3. Zwischen Wirtschaftssektoren
Transport, Tourismus und der stationäre Handel sind von der Krise sehr hart getroffen. Die Pharmaindustrie und der Technologiesektor erzielen möglicherweise noch Umsatzsteigerung in und als Folge der Krise.

 

4. Zwischen den Generationen
Von den im Berufsleben stehenden Menschen hin zu den Pensionisten. Der Rückgang der Wirtschaftsleistung wird vermutlich nur die im Erwerbsleben tätigen Menschen betreffen.

 

5. Zwischen den erwerbsfähigen Menschen

  • Von denen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, zu denen die Ihren Arbeitsplatz behalten können.
  • Von Unternehmern, deren Geschäfte krisenbedingt geschlossen bleiben müssen, zu Unternehmern die trotz Krise einen relativ gesicherten Geschäftsverlauf aufweisen können.

 

Diese Ungleichgewichte und viele andere Auswirkungen des weltweiten Wirtschaftsstillstands werden unsere Gesellschaften noch vor große Herausforderungen stellen.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: dieter.rom@securitykag.at