Bis zur globalen Chancengleichheit ist es noch ein weiter Weg

07. Aug 2020 | Blog

VON Daniel Kupfner

Täglich neue Nachrichten zu den Corona-Virus Zahlen, unsichere Arbeitsmarktaussichten, partielle Einschränkungen der Reisefreiheit, regionale Ampelsysteme und vieles mehr. Dies sind nur einige der Themenbereiche, welche momentan einen präsenten Raum in unser aller Leben einnehmen. Nichts desto trotz muss man sich in Zeiten wie diesen auch darauf zurückbesinnen, in welchem Wohlstand, sozialer Sicherheit und stabilen Frieden wir in Österreich leben dürfen. Gerade im Hinblick auf die Qualität der Lebensbedingungen innerhalb der einzelnen Staaten, gibt es noch immer enorme Unterschiede (siehe Abbildung 1).

 

Abbildung 1: Globales Ungleichgewicht der Lebensbedingungen 


Quelle: https://ourworldindata.org/global-inequality-of-opportunity

 

Zwar hat sich in den letzten rund 200 Jahren bereits sehr viel getan (jeweils untenstehend ist der Vergleich mit dem Jahr 1800 angeführt), trotzdem klaffen die aktuellen Werte zwischen den einzelnen Ländern noch immer weit auseinander. Dies ist auch das Ergebnis eines ungleichen Fortschritts oder wie es Tony Atkinson ausgedrückt hat: „Inequality of outcome among today’s generation is the source of the unfair advantage received by the next generation. If we are concerned about equality of opportunity tomorrow, we need to be concerned about inequality of outcome today“.


Wie in Abbildung 1 ersichtlich, ist die Mortalitätsrate bei Kindern unter fünf Jahren in Somalia 60-mal höher als in Island. Während also ca. jedes achte Kind in Somalia den fünften Geburtstag nicht mehr erlebt, stirbt in Island „nur“ eines von 250 Kindern vor dem fünften Lebensjahr. Verglichen mit dem Jahr 1800 gibt es aber trotzdem massive Fortschritte, da hier der globale Durchschnitt bei einer Mortalitätsrate von 43% lag. Auch die globale Lebenserwartung betrug im Jahr 1800 im Durchschnitt nur 29 Jahre, während der Wert mittlerweile bei rund 72 Jahren liegt.


Interessant sind auch die zu erwartenden Jahre formeller Bildung. Während schulpflichtige Kinder in Europa oder Nordamerika heute mit 15 bis 20 Jahren formeller Bildung rechnen dürfen, sind es in Ländern mit schlechtem Zugang zu Bildung (wie z.B. dem Sudan) nur knapp fünf Jahre. Verschlimmert wird dieser Umstand auch dadurch, dass die Kinder in Schulen ärmerer Länder innerhalb dieser Zeit auch viel weniger lernen (siehe Abbildung 2).

 

Abbildung 2: Durchschnittliche Lernergebnisse im Vergleich zum Pro-Kopf-BIP 2015 


Quelle: https://ourworldindata.org/edu-quality-key-facts

 

Die genannten Faktoren (und einige andere) erschweren es vielen Menschen, ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Leben zu führen. Natürlich kann man die persönlichen Lebensbedingungen zum Teil durch eigene Anstrengungen und Engagement positiv beeinflussen, vielfach sind die Voraussetzungen und Chancen aber ungleich verteilt und die Tatsache wo ein Kind geboren ist, determiniert mehrheitlich auch die zukünftigen Lebensbedingungen. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass dies zwingend so sein muss. Der globale Fortschritt in den letzten 200 Jahren zeigt uns eindrucksvoll auf, was prinzipiell möglich ist.

 

 

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