What does the spread say?

28. Aug 2020 | Blog

VON Stefan Donnerer

Während erste Aktienindizes wie Nasdaq und S&P 500 bereits über Jahresbeginn notieren und somit eine positive Year-to-Date Performance (Stichtag 27.08.2020) aufweisen, weisen Credit Spreads von Unternehmensanleihen noch Aufholpotential auf. Doch was verbirgt sich überhaupt unter dem Begriff Credit Spread und welche Aussagen können von diesem abgeleitet werden?

Der Credit Spread ist laut Gabler Wirtschaftslexikon das „Ergebnis eines Preisbildungsprozesses am Kapitalmarkt und drückt die Einschätzung der Marktteilnehmer über das der Anlage inhärente Ausfall- und Bonitätsrisiko des Kreditnehmers, Emittenten oder Kontrahenten aus.“  

Somit stellt der Credit Spread eine Risikoprämie dar, welche Emittenten bezahlen müssen, um sich am Kapitalmarkt refinanzieren zu können. Dieser wird in Basispunkten angegeben und zum aktuellen Zinsniveau aufaddiert. Die Summe aus Credit Spread und aktueller Basis-Verzinsung ergibt somit die effektive Verzinsung zu welchem Unternehmen am Finanzmarkt Fremdkapital sammeln können. Angenommen der Basis-Zinssatz (= Swap Satz) für 10 Jahre beträgt -0,20% und der aktuelle Credit-Spread eines Unternehmens 100 Basis-Punkte (100 BP = 1 %), so müsste der Schuldner jährlich 0,80% für die Begebung einer 10-jährigen Anleihe an die Fremdkapitalgeber, bspw. in der Form eines Kupons, zahlen. 

Anhand der Credit-Spreads kann somit abgeleitet werden, welche Sektoren am meisten aufgrund der steigenden Risikoprämien unter den weltweiten Corona Maßnahmen gelitten haben und ob auch hier Unternehmen, welche sich auf digitale Technologien spezialisiert haben, deutlich besser abschneiden als der Rest. Zusätzlich können auch regionale Unterschiede in den Risikoprämien eruiert werden. 

 

Quelle: ICE Bofa Daten, Aggregierte Index Daten, Stichtag 27.08.2020

 

Zu Jahresbeginn fiel der Credit Spread von Technologie- und Healthcare Unternehmen in Europa am niedrigsten aus während Immobilienunternehmen und nicht-zyklische Dienstleister die höchste Risikoprämie aufgewiesen haben. Darüber hinaus ist erkennbar, dass die Prämien zwischen USA und Europa deutlich abweichen können, wie es beispielsweise im Energie-Sektor der Fall ist. Dies kann auf die zugrunde liegende Ratingstruktur der beiden Regionen zurückgeführt werden, da beispielsweise in der USA viele Fracking-Unternehmen mit tendenziell schlechteren Credit-Ratings ansässig sind, während der Energie-Markt in Europa von Branchengrößen wie BP und Royal Dutch Shell dominiert wird, welche eine sehr gute Bonität aufweisen. 

 

  

Quelle: ICE Bofa Daten, Aggregierte Index Daten, Stichtag 27.08.2020

 

Werden nun die Credit Spreads per 27.08.2020 mit den Daten von Jahresbeginn verglichen, so wird deutlich, dass Leisure-Unternehmen (Freizeit-Sektor) mit Abstand den höchsten Spread-Anstieg zu verzeichnen haben. In diesen Sektor fallen beispielsweise Reise-Agenturen und Veranstalter, die besonders unter Umsatzrückgängen aufgrund der Einschränkungen durch die Covid-19 Pandemie zu kämpfen haben. 

Interessanterweise hat sich die Risikoprämie von nicht-zyklischen Dienstleistern kaum verändert, obwohl diese zu Jahresbeginn bereits ein vergleichsweise hohes Spread-Niveau aufgewiesen haben. Zusätzlich ist erkennbar, dass sich Spreads bei US-Unternehmen unter absoluter Betrachtung tendenziell stärker ausgeweitet haben als bei europäischen Unternehmen. 

 

Quelle: ICE Bofa Daten, Aggregierte Index Daten, Stichtag 27.08.2020

 

Bei relativer Betrachtung der Spreadentwicklungen ändert sich das Ergebnis nur minimal. Hier weisen nicht-zyklische Dienstleister und Utility Unternehmen (Versorger) den geringsten Spreadanstieg auf. Auch hier wiederholt sich das Bild, dass Risikoprämien für Leisure-Unternehmen am deutlichsten gestiegen sind. Diese müssen derzeit den 2,8 bzw. 2,2fachen Credit Spread wie zu Jahresbeginn zahlen. Verglichen zum Jahres-Maximum, welcher zum Höhepunkt mehr als das 6fache des Jahres-Startwertes betragen hat, dennoch „günstig“. 

Während die Aktienseite bereits suggeriert, dass die schlimmsten Folgen der Corona Krise bereits überwunden sind, so zeigen die Credit Spreads, dass noch immer ein erhebliches Ausfallsrisiko in den Unternehmensanleihen eingepreist wird. Ob das derzeitige implizite Kreditrisiko der Wahrheit entspricht, oder das Risiko von Markt über- oder unterschätzt wird, werden die nächsten Monate zeigen. 

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: stefan.donnerer@securitykag.at