Wissenschaft ist nicht alles aber ohne sie ist alles nichts...

04. Jan 2021 | Blog

VON Peter Ladreiter

Kaum jemand wird diesem Jahr eine Träne nachweinen. Deutlich wie kaum zuvor hat uns die COVID-19 Pandemie unsere Grenzen und Schwächen aufgezeigt. Doch wussten wir nicht schon vorher, dass wir in vielen Bereichen auf einem falschen Weg sind? Dass wir durch unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem über der Tragfähigkeitsgrenze unseres Planeten handeln und wir trotz zunehmendem Reichtums die Welt weder gerechter machen noch die Ressourcen gleichmäßiger auf die Menschen verteilen. All diese Phänomene werden uns drastisch durch die aktuelle Krise vorgeführt.

 

Was wir derzeit erleben ist teilweise ein Kontrollverlust, der bisweilen auch noch durch das (un-)bewusste Verlassen des Pfades der Wissenschaft und der Sachlichkeit noch verstärkt wird. Aber auch die Wissenschaft ist betreffend die aktuelle Covid-19-Pandemie viele Fragen schuldig geblieben, eigentlich zu viele. Noch immer weiß man extrem wenig über Ursache und Wirkungszusammenhänge von vielen Phänomenen in dieser Pandemie womit die Entscheidungsträger zu viel Entscheidungsspielraum bekommen und entsprechend im dichten Nebel navigieren müssen. Die einzige Rettung aus der Pandemie basiert wiederum rein auf dem Prinzip der analytischen Forschung, welche uns einen hochwirksamen Impfstoff rechtzeitig als Weihnachtsgeschenk beschert hat. Allein die Entwicklung dieses Impfstoffs zeigt: Dies ist ausschließlich das Resultat von logischem und folgerichtigem Denken, Anwendung von Naturwissenschaft unter Verwendung der Mathematik als beschreibendem Werkzeug. Aus diesem Stoff ist eigentlich alles gemacht, was uns Menschen während der letzten Jahrzehnte in vielen Bereichen unermesslichen Wohlstand beschert hat. 

 

Dieser Weg ist für uns selbstverständlich in der Erforschung von Naturphänomenen genau so wie in der Industrie, wo wir Waren aller Art meist unter dem neuesten Stand der Technik fertigen. Oder in der Medizin, wo heutzutage unglaubliche Spitzenleistungen in der Heilkunst zustande gebracht werden. 

 

Warum können wir nicht in allen wichtigen Lebensbereichen, beispielsweise in der Politik aber vor allem auch in der Geldanlage ausschließlich auf Sachlichkeit und Analytik bauen anstelle uns von Emotionen und Bauchgefühlen und zusätzlich noch von Eigeninteressen und jenen von Dritten fehlleiten zu lassen?

 

Warum sind für diese Fachbereiche, die unglaubliche Breitenwirkung haben, nicht begleitet von einschlägigen Bildungswegen, wie sie in vielen Bereichen gang und gäbe sind? Warum sind meist nicht Ärzte oder Public Health-Experten Gesundheitsminister und nicht Militärexperten Verteidigungsminister?  Und warum nicht zwingend Finanzfachleute Finanzminister? Das oftmalige Verweisen auf Beraterstäbe zielt ins Leere, wenn dem politischen Entscheider neben der Fachkenntnis dort auch die Beurteilungsfähigkeit fehlt. Kein Mensch käme auf die Idee, Primariate in Spitälern nicht durch (exzellente) Mediziner zu besetzen. Natürlich gehört zu Politik mehr als nur Fachwissen aber dieses sollte zumindest  bei der gegebenen hohen Verantwortung und Tragweite von Entscheidungen neben der persönlichen und charakterlichen Eignung unbedingt Bedingung sein!

 

In der Geldanlage sind mir auch keine einschlägigen und der Verantwortung angemessenen Standards bekannt, die man persönlich erfüllen müsste, um das Vermögen anderer Leute verwalten zu dürfen. Dies ist umso erstaunlicher, da die Folgen einer nicht sachgemäßen Vorgangsweise volkswirtschaftlich langfristig verheerend sind. Dabei gibt es diese (wissenschaftlichen) Standards längst und diese haben sich in der Praxis bewährt.

 

Wir sind es der Gesellschaft einfach schuldig, in allen Lebensbereichen die bestmöglichen Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung zu haben. Einzig die konsequent wissenschaftliche Denkweise ist die Grundlage dafür.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: peter.ladreiter@securitykag.at