Zypern

05. Feb 2021 | Blog

VON Günther Moosbauer

ist nach Sizilien und Sardinien die drittgrößte Mittelmeerinsel mit 1.1 Millionen Einwohnern. Seit 1974 ist die Insel politisch geteilt in die türkische Republik Nordzypern - die nur von der Türkei anerkannt wird - und der Republik Zypern - die völkerrechtlich (bis auf zwei britische Exklaven) die gesamte Insel umfasst. Im Nordteil leben rund 300.000 Menschen, das sind rund 26% der gesamtzypriotischen Bevölkerung - im Süden 850.000. Die Trennung teilt auch die Hauptstadt Nikosia. Die beiden britischen Exklaven auf Zypern, sowie das Betreiben einer Radaranlage auf der höchsten Erhebung Zyperns waren Bedingungen zur Entlassung in die Unabhängigkeit 1960, nachdem es 82 Jahre von den Briten besetzt war. Seit 2004 ist Gesamtzypern Mitglied der EU, wenn auch de facto als ein geteiltes Land.

 

Schwerpunkte der Wirtschaft des Südteils sind der Tourismus und der Finanzsektor, daneben auch die Gewinnung und Weiterverarbeitung der natürlichen Ressourcen, insbesondere jüngere Erdgasfunde. Die Arbeitslosigkeit liegt bei rund 8%. 

 

Der Boom der Finanzwirtschaft setzte mit dem Krieg im Libanon ein, der dessen Banken einen sicheren Ortssitz suchen ließ. Nachdem zunächst viel Kapital aus arabischen Ländern in das Land floss, folgten auch die USA und Großbritannien, Steuerflüchtige aus ganz Europa und zuletzt Russland. Der Finanzsektor schwoll schließlich auf das dreieinhalbfache des Bruttoinlandsproduktes an, das dem Bankensektor auch an den Rand eines Staatsbankrotts schlittern ließ. Auslöser dafür waren hohe Bestände in griechische Staatsanleihen, die Ende 2013 prekär wurden. Ein 10 Milliarden Euro Rettungspaket der EU wurde an die Bedingung geknüpft, dass Anlegerguthaben bei den Banken über 100.000 € sich an der Rettung beteiligen mussten - bei der Bank of Cyprus bis zu 30% und bei der Laiki Bank bis zu 50%. 

 

Die Corona-Krise dämpfte die Erwartungen, dass der Tourismus einen Wirtschaftsabschwung auffangen kann. Die finanzielle Konsolidierung machte bis dahin gute Fortschritte. Nach wie vor gilt Zypern als Steueroase und zieht mit zusätzlich unkomplizierten Gründungsmöglichkeiten Offshore-Firmengründungen an. Im Zuge dessen werden etwa viele Gelder über Zypern in Russland reinvestiert. Die Handelsbilanz weist chronisch ein deutliches Minus auf. Positiv ist die hohe Zahl an qualifizierten Arbeitskräften, sowie die hochentwickelte Infrastruktur des Landes. 

 

Es ist Zypern eine schnelle Bewältigung der Corona-Krise zu wünschen - einem in diesem geografischen Raum weit entwickeltes Land mit etablierter Pressefreiheit und stabilen demokratischen Verhältnissen.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: günther.moosbauer@securitykag.at