Tunesien

28. Mai 2021 | Blog

VON Günther Moosbauer

zählt rund 12 Millionen Einwohner. Die Geschichte Tunesiens reicht von der Besiedelung durch Berbervölker, über die Niederlassung der Phönizier mit der Stadt Karthago, der Eingliederung ins römische Reich, zwischenzeitlich der Inbesitznahme durch die Vandalen, der Einverleibung ins osmanische Reich und der Errichtung eines französischen Protektorats bis zur Unabhängigkeit im Jahre 1956. Von da an regierte die Einheitspartei bis das Land 2014 im Zuge der Revolution des arabischen Frühlings eine neue Verfassung erhielt und heute, laut The Economist, unter den arabischen Ländern als einzige Demokratie gilt. 

 

Auch die Frauengleichberechtigung war in der Verfassung ein wichtiges Thema und ist heute auf rechtlicher Seite durchgesetzt. Im Demokratieindex (Rang 54 von 167) und jenem der Pressefreiheit (Rang 72 von 180) hat sich Tunesien seit der Revolution deutlich verbessert. Die weitreichenden Befugnisse des Anti-Terrorgesetzes führen nach Amnesty International heute noch zu willkürlichen Verhaftungen und Folter. Der Korruptionsindex weist Tunesien mit Rang 69 von 180 aus.

 

Außenpolitisch unterhält Tunesien eine Kooperation mit der EU, mit der auch drei Viertel des Handels ausgetauscht werden und es ist Teil der Major non-Nato ally und damit enger Verbündeter der USA. (Zu den Major non-Nato ally Ländern gehören in der Reihenfolge ihrer Aufnahme: Australien, Ägypten, Israel, Japan, Neuseeland, Südkorea, Jordanien, Argentinien, Bahrain, Philippinen, Taiwan, Thailand, Kuwait, Marokko, Pakistan, Afghanistan, Tunesien und Brasilien.)

 

Wirtschaftlich hat Tunesien mit einer hohen Jugendarbeitslosigkeit und einem dauerhaft hohen Doppeldefizit (Haushalts- und Leistungsbilanz) zu kämpfen. Einschneidende Auflagen des IWF, wachsende Unzufriedenheit insbesondere der jungen Bevölkerungsteile, harte Folgen der Covid-Krise, besonders der Ausfall im wichtigen Tourismussektor und Sicherheitsrisiken zum benachbarten Libyen machen die nächsten Jahre für Tunesien herausfordernd.  Ein Schuldennachlass könnte sich als Unterstützung der jungen Demokratie als eine mögliche Option erweisen.

 

 

 

 

 

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