„Ich kann es auch und hoffe, dass sie es irgendwann erkennen!“

11. Jun 2021 | News

VON Sandrine Ngo Ngan

Es ist die leise Stimme eines Menschen, der oft über hervorragende Fähigkeiten und Qualifikationen verfügt, aber aufgrund von verschiedenen Hürden seine Pläne zur Selbstverwirklichung aufgeben muss. 

 

Ist es die Stimme einer Frau, die genauso qualifiziert wie ihr männlicher Kollege ist, aber sich scheut mit Ehrgeiz vorzutreten, weil sie fürchtet als „Karrierefrau“ abgestempelt zu werden?

 

Ist es die Stimme einer Frau, die Teilzeit arbeitet und sich nebenbei um ihre Familie kümmert? Die eine Doppelleistung erbringen und hoffen muss, dass ihr Unternehmen Verständnis für ihre Situation hat?

 

Ist es die Stimme einer qualifizierten berufstätigen alleinerziehenden Mutter, der unflexible und unzulängliche Betreuungsstrukturen eine gerechte und gesicherte Karrieremöglichkeit erschweren?

 

Ist es die Stimme einer Hausfrau, die auf eine Karriere verzichtet hat, um sich um die Kinder zu kümmern, damit sie behutsam und sicher aufwachsen können? Oder die einer arbeitsuchenden Frau, die nachweisen muss, dass sie trotz bestehenden Familienverpflichtungen oder künftigen Familienplänen qualifiziert und zuverlässig ist?

 

Ist es die Stimme jeder Frau, die um Chancengleichheit, Gleichbehandlung, Lohngleichheit und Karriereförderung der Frauen in der Arbeitswelt kämpft?

 

Diese Stimme wird ständig unterdrückt und braucht unabhängig vom Geschlecht, Anerkennung für die Arbeitsleistung, flexiblere karrierefördernde Maßnahmen und vor allem eine Arbeitsplatzsicherheit, falls der oder die Betroffene aufgrund von Familienverpflichtungen oder sonstigen Gründen, eine Auszeit nehmen muss. Es trifft nicht immer Frauen, aber viel zu oft.

 

Brauchen wir dauerhaft eine gesetzliche Frauenquote, um nachweisen zu können, dass Frauen genauso wie Männer qualifiziert sind? Ich glaube, nein. Die Umsetzung der gesetzlichen Frauenquote um jeden Preis schadet mehr, als sie nutzt. Frauen haben ausreichend Qualifikationen, um sich durchsetzen zu können! Die Zwangserfüllung der Frauenquote kann zur strategischen Fehlentscheidung im Unternehmen führen. Jedes Unternehmen hat seine eigene Kultur und Werte, die den Bewerbungsprozess beeinflussen; darum müssen sich auch potenzielle Bewerber/Innen damit identifizieren. Sofern diese Praxis die Beförderung gewisser Personengruppen nicht absichtlich hindert, sollte jedes Unternehmen das angemessene Recht haben, ohne Quote zu funktionieren.

 

Solange geeignete und zeitgemäße Erziehung in den Familien, sowie Aufklärung in den Schulen, sozialen Kreisen und in Unternehmen fehlen, werden wir nicht erreichen, dass Frauen von wahrer Chancengleichheit profitieren. Mit dem Gesetz erfüllt man die reine quantitative Pflicht, die die Ansicht der Menschen kaum ändert. Mit Erziehung und Aufklärung hat man die beste präventive und nachhaltige Lösung gegen jegliche Diskriminierung.