König Fußball und die (Marketing-)Stars im Hintergrund

18. Jun 2021 | Blog

VON Stefan Donnerer

Kaum jemanden dürfte es derzeit entgangen sein, dass die Fußball-EM derzeit quer über Europa stattfindet. Neben erwartbaren, überraschenden und leider auch bestürzenden Szenen gibt es auch abseits vom Platz diskutable Momente, die ich nicht unkommentiert lassen möchte.

 

Während Fußballer mittlerweile bereits seit längerer Zeit als äußerst wirksame Werbetafel für alle möglichen Marken verwendet worden sind, zeichnet sich mittlerweile der seichte Trend ab, dass Fußballer oder generell Sportler, mit der Kräfteverteilung in diesem gigantischen Wirtschaftszweig nicht immer einverstanden sind. 

 

Cristiano Ronaldo zeigte dies, indem er bei einer seiner Pressekonferenzen, auffällig Coca-Cola Flaschen vor sich entfernt hat und anschließend den anwesenden Journalisten empfohlen hat anstelle des Süßgetränks besser Wasser zu trinken. Während die Szene vor allem im Internet für Schmunzler und Zuspruch gesorgt hat, war der Sponsor Coca-Cola gar nicht amüsiert. Zum einen hat das Unternehmen angeblich mehr als 30 Mio. USD dafür bezahlt seine Flaschen werbewirksam platzieren zu dürfen, andererseits hat auch genau an diesem Tag der Aktienkurs des Unternehmens auffällig nachgegeben. 

 

Fairerweise muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass der Aktienkurs von Coca-Cola bereits vor der Pressekonferenz im Fallen war und Cristiano Ronaldo zwar für seinen gesunden Lebensstil bekannt ist, allerdings in der Vergangenheit auch für Kentucky Fried Chicken und auch für Coca-Cola selbst als Testimonial engagiert war. 

 

Allerdings zeigt sich, dass Sportlerinnen und Sportler versuchen mehr Kontrolle zurück zu erlangen, mit welchen Marken und Organisationen in Verbindung gebracht werden. Paul Pogba, Star-Mittelfeldspieler von Frankreich, hat Tage darauf, auf einer seiner Pressekonferenzen eine Bierflasche entfernt, weil er als bekennender Muslim auf Alkohol verzichtet. Naomi Osaka, die derzeit bestbezahlte Tennis-Spielerin der Welt, hat erst vor Kurzem beim prestigeträchtigen French-Open aufgeben müssen, weil sie den verpflichtenden Presse- und Sponsorenterminen aufgrund mentaler Gesundheitsprobleme nicht nachkommen konnte und bei nicht Wahrnehmung dieser von der Turnierleitung letztendlich ohnehin ausgeschlossen worden wäre. 

 

Auch wenn diese Szenen vielleicht für viele als Lappalie betitelt werden, so darf die (Marken-) Macht und die Reichweite dieser Superstars nicht unterschätzt werden. 

 

Cristiano Ronaldo ist der erste Fußball-Milliardär und die Hauptquelle seines Einkommens stellen dabei nicht seine, zugegebenermaßen exorbitanten Gehälter dar, sondern seine Tätigkeiten als Markenbotschafter für Großunternehmen. So verfügt Cristiano Ronaldo über den Instagram Account mit den meisten Abonnenten und erreicht somit mit einem Beitrag mehr als 270 Mio. Menschen in aller Welt. Dank dieser Reichweite müssen Sponsoren mehr als 1 Mio. USD pro Instagram-Beitrag zahlen, wenn sie möchten, dass in diesem ihre Marke promotet wird. 

 

Unternehmen haben zwar einerseits die Möglichkeit sorgfältig Sportler und Testimonials als Werbeträger zu buchen, andererseits haben sie fast keine Chance sich zu schützen, wenn reichweitenstarke Influencer schlechte PR über ihre Produkte verbreiten. 

 

Es ist durchaus positiv zu sehen, wenn sich Personen mit großer Reichweite kritisch zu relevanten Themen äußern und von ihrem Einfluss Gebrauch machen, allerdings sind solche Momente bis dato noch nicht so oft zu beobachten gewesen. Die Gründe hierfür liegen klar auf der Hand, nur wenige Sportler wollen oder können es sich leisten irgendwo „anzuecken“ und dafür auf potenzielle zukünftige lukrative Werbe-Deals zu verzichten. Auch wenn von Fußballern oder Sportlern Mut und Aufopferungsbereitschaft am Platz gefordert wird und dafür auch von den Fans gefeiert werden, so wäre es auch schön, wenn sie diese Tugenden abseits der Stadien dieser Welt zeigen würden. Beispielsweise den Austragungsort für die nächste WM – Katar – und die bedenklichen politischen und menschenrechtlichen Bedingungen genauso kritisch hinterfragen wie die Getränke mit welchen sie abgebildet werden. Weitere diskutable Themen welche medienwirksam angesprochen werden könnten würde es genug geben, ob es auch genug Sportler gibt, die sich dessen annehmen ist eine andere Frage, die wohl nur die Zukunft beantworten kann. 

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: stefan.donnerer@securitykag.at