Sustainability-Linked-Bonds – Blog Part II

06. Jul 2021 | Blog

VON Laura Lemle

Nach Vorstellung von den neuen grünen Investmenttrends der Sustainability-Linked-Bonds (SLBs) in meinem vorigen Blogbeitrag, möchte ich an dieser Stelle die Welt der SLBs etwas näher unter die Lupe nehmen. 

 

SLBs sind stärker auf dem Vormarsch als je zuvor. Das gesamte Emissionsvolumen der SLBs hat sich in diesem Jahr im Vergleich zu den vorigen zwei Jahren verdoppelt. Die Anzahl der SLBs lt. Bloomberg war zum Zeitpunkt meines letzten Blogbeitrages 76 Bonds (Stand 28.04.2021), nun hat sich diese seitdem auf 116 erhöht (Stand 23.06.2021). Somit kann festgestellt werden, dass das Interesse an Sustainiblity-linked-Bonds nicht abgeflacht, sondern sogar noch zugenommen hat und somit immer mehr an Bedeutung gewinnt.

 

In den folgenden Zeilen wird der Status Quo und die Merkmale der SLBs näher ausgearbeitet. Die vielfältige Ausstattung der Bonds verursacht bei der Klassifizierung der SLBs Schwierigkeiten. Die Klassifizierung kann grundsätzlich von zwei Aspekten angenähert werden, entweder nach der finanziellen Gestaltung oder nach der Nachhaltigkeitskomponente der Bonds. 

 

Bei der Betrachtung der finanziellen Eigenschaften (sogenannte Covenants) von SLBs, führt die Nichterreichung der im Vorhinein definierten Nachhaltigkeitsziele — in den meisten Fällen — zu einer Kuponerhöhung der Anleihe und somit zu einer finanziellen Mehrbelastung für den Emittenten. Das häufigste Ausstattungsmerkmal bei SLBs ist ein Coupon Step-Up von 25, 50 oder gar 75 Basispunkten. In ~50 % der Fälle sind SLBs mit einen Step-Up Coupon zwischen 5-25BP ausgestattet. Oft definieren aber Emittenten nicht nur eine sondern gleich mehrere Nachhaltigkeitsziele, somit wird der Coupon Step-Up entweder für jedes Nachhaltigkeitsziel getrennt angewendet, oder wird abhängig davon ob eines oder mehrere Nachhaltigkeitsziele nicht erreicht wurden unterschiedlich hoch sein. 

 

Wie viel kostet es aber nun in der Realität für einen Emittent wenn dieser seine Nachhaltigkeitsziele verfehlt?  Wenn man das SLB von Pfleiderer heranzieht, sieht man, dass die zweimalige Erhöhung der Kupons mit jeweils 12,5 Basispunkten bei Verfehlen des Sustainability Performance Target (SPT) ~2Millionen USD zu bezahlendem Betrag ausmacht. Eine gute Möglichkeit die zu bezahlenden Summen zu reduzieren beziehungsweise aufzuteilen ist die Bestimmung von mehreren Zielen mit kleineren Coupon Step-Ups oder die Verwendung von Pricing Step-Ups als Strafe und Pricing Step-Downs als Belohnung für die Nachhaltigkeitsperformance. 

 

Als zweite Möglichkeit können die Bonds nach ihrem Nachhaltigkeitsziel in Kategorien eingeteilt werden. Die häufigsten vorkommenden Targets sind: Reduktion von Greenhouse-Gas Emissionen, die Erreichung von bestimmte ESG-Scores, die Installierung von Erneuerbare Kapazitäten und andere Punkte aus der Sustainable Development Goals. Es können aber auch gleichzeitig mehrere SPTs definiert werden. In den meisten Fällen wird nur ein Ziel gewählt, aber es kommt immer öfters vor, dass SLBs gleich 2-3 Targets nennen. 

 

In den folgenden Fällen werden drei SLBs mit unterschiedlichen Ausstattungsmerkmalen näher beschrieben:

 

Zuerst wird ein Standard SLB von Suzano, der brasilianische Papierproduzent vorgestellt. Suzano hat als Sustainability Performance Target (SPT) die Reduktion der Greenhouse Gas (GHG) Emissionen auf 0,19 tCO2e/ton gewählt, welche mit einer 10,9 %ige Reduktion seit 2015 äquivalent ist. Wenn das Ziel nicht erreicht wird, erhöht sich der Kupon um 25BP. Für die Messung der Zielerreichung wird die durchschnittliche GHG Emission von 2024 und 2025 als Basis betrachtet. Das Emissionsvolumen bei der SLB von Suzano entsprach einer Höhe von 1,05 Mrd. Euro. 

 

Der Pfleiderer Group BV ¬ ein High Yield Emittent – platzierte gleichzeitig zwei SLBs am Kapitalmarkt in der Höhe von 750 Millionen Euro. Sie haben zwei Targets gesetzt, einerseits die Erhöhung der Verwendung von recycled Materialien mit 4 %, anderseits die Reduktion des ökologischen Fußabdrucks mit 8 %. Beide Targets werden bis Maturity zweimal beobachtet, und zwar am Ende des Jahres 2022 und 2025. Wenn die Targets nicht erreicht werden, muss das Unternehmen ein Step-Up von jeweils 12,5 BP bezahlen. Im schlechtesten Fall ergibt sich einer jährlichen Summe von ~2 Millionen USD, welche durch den Emittenten bezahlt werden muss. 

 

Der österreichische Immobilienentwickler UBM Development AG platzierte vor ein paar Wochen die erste Hybrid SLB mit einem Emissionsvolumen von 150 Millionen Euro. Bei dem Bond ist das definierte Nachhaltigkeits-Ziel, jenes einen gewissen ESG-Rating-Schwellenwert nicht zu unterschreiten. Wenn der Grenzwert unterschritten wird, erhalten Investoren jeweils eine Rückzahlungsbetragsanpassung von 0,10 % am Beobachtungstag, an dem das Anpassungsereignis stattfindet. Somit erhöht sich am Ende der Laufzeit der Rückzahlungsbetrag.   

 

Sind diese zu zahlenden „Strafen“ ein hinreichend großer Anreiz für Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen? Es wird sich in der näheren Zukunft herauskristallisieren wie gut  Unternehmen mit Nachhaltigkeitsrisiken umgehen können/wollen um ihre Coupon Step-Ups zu verhindern. Bisher haben nur Corporate Emittenten SLBs begeben. Wird dieses Bondformat wirklich nur eine Möglichkeit für Unternehmen sein Kapital zu schöpfen oder werden eventuell in der Zukunft auch Staaten SLBs emittieren können/wollen?

 

Quellen:

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: laura.lemle@securitykag.at