Wo sind die FinTechs?

19. Aug 2021 | Blog

VON Stefan Winkler

Laut pwc Studie aus dem Jahr 2017 sahen mehr als 80% der befragten Finanzdienstleister FinTechs als Gefahr für das bestehende Geschäft. Effizienz, fehlende Regulierung und Flexibilität – was könnte die smarten Startups stoppen?

 

Ein Blick auf die erfolgreichsten FinTechs zeigt, dass einige mittlerweile eine Banklizenz haben - durchaus erfolgreich mit Geschäftsmodellen, die kaum mehr von klassischen Banken unterscheidbar sind. Andere Anbieter bieten moderne IT-Lösungen und agieren in enger Kooperation mit Banken bzw. sind im Eigentum dieser. Zahlungsdienstleister außerhalb des Bankenumfelds werden früher oder später mit Themen wie Verbraucherschutz oder Geldwäsche konfrontiert, Spezialisierungen auf artverwandte Themen, wie etwa Steuer, lassen sich maximal noch als Ergänzung zu Finanzdienstleistungen deuten. Der FinTech- Begriff ist sehr weit gefasst. Zurecht, um neuartige Finanzinnovationen nicht auszuschließen. Doch sollten wir nicht gerade deshalb und gedenk der immensen Geldbeträge, die in die Förderung diverser FinTechs gesteckt wurden, nicht viel Beeindruckenderes sehen? Meines Erachtens nein, aus mehreren Gründen:

 

Wenn die Worte Regulierung oder gar Überregulierung fallen, dann gleichzeitig auch die Mundwinkel alteingesessener Banker. Doch so ganz ohne Regulierung geht es dann doch nicht, wenn Verbraucher geschützt und illegale Geldflüsse unterbunden werden sollen. Die Marktreife innovativer Produktideen muss früher oder später diese Hürde nehmen. Das kostet Ressourcen und Kraft und lässt die Innovationskraft sinken. Und wohl auch die Schultern des einen oder anderen Erfinders.

 

FinTechs sind smart. Smarter als Banken? Nicht immer! Die Finanzbranche ist weit stärker in Bewegung, als es manch Außenstehender vermuten mag. Effiziente Kooperationen und Delegationen führen zu einer neuen Dimension der Vernetzung im Sektor. Nur davon nimmt man meist nichts wahr. Ab und zu verschwindet ein Label, ein Bereich oder eine ganze Bank. Meist aber wohl überlegt und unspektakulär. Dass kaum noch große Fusionen oder Zukäufe von Molochen wahrzunehmen sind, hat also wenig mit Trägheit zu tun. Ineffizienzen nehmen ab, das Bankgeschäft wird digitaler, besser skalierbar. Ein Ende des Trends ist nicht abzusehen.

 

Und nicht zu vergessen: Finanzinstitute mussten lernen, regulatorische Herausforderungen unter Zeitdruck zu meistern, rückläufige Margen zu kompensieren und dabei stets dem eigenen Kunden ungestörten Betrieb, Zuverlässigkeit und Wohlfühlfaktor bieten. Dies war nur mit geeigneten unternehmerischen Strukturen zu schaffen; wem das nicht gelang, der ist Geschichte oder wird es bald sein. Für FinTechs wird es also immer schwerer, gegen derart gestählte Konkurrenten anzukommen. Zudem können Finanzinstitute durchaus kompetente und zahlungskräftige Kooperationspartner sein, wie die Entwicklung zeigte.

 

Um auf meine initiale Frage zurückzukommen: Ich glaube, die Realität hat den Marketingmythos sich ausbreitender FinTechs längst überholt. Deren geballte Innovationskraft ist eingesogen, integriert, zum Teil filetiert. Gute Unternehmen existieren noch, gute Ideen sowieso. Man glaubte an die Evolution. Durchgesetzt hat sich die Kooperation.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: stefan.winkler@securitykag.at