Marokko

22. Okt 2021 | Blog

VON Günther Moosbauer

zählt zu den Maghreb Staaten (gemeinsam mit Tunesien, Algerien, Westsahara, manchmal auch mit Libyen und Mauretanien) und beherbergt 37 Millionen Einwohner (1950 waren es noch neun Millionen). Rund die Hälfte sind Berber, inklusive der rund 20 % arabisierten Berber. Neben marokkanisch Arabisch beherrschen gut die Hälfte der Marokkaner eine Berbersprache. Französisch ist die inoffizielle Arbeitssprache. In vielen europäischen Ländern bilden Marokkaner die größte muslimische Gemeinde. Davon 1,2 Millionen in Frankreich und eine dreiviertel Million in Spanien.

Im Durchschnittseinkommen liegt Marokko im oberen Bereich Afrikas. Das BIP pro Kopf beträgt 8.000 $ (Österreich 59.000 $). Etabliert sind Alters- und Hinterbliebenenrenten, Krankenversorgung und Familienbeihilfen. Die Alphabetisierungsrate beträgt geringe 72,4 %. Die niedrige Qualität der Primarschulbildung und der berufsbildenden Schulen wird von der Weltbank als gewichtiges Problem angesehen.

Schwierig ist die Lage für die Pressefreiheit (Platz 133 von 180). Kritik an Korruption und Behörden werden oft als Bedrohung der konstitutionellen Monarchie gewertet und vielfach strafrechtlich verfolgt. Im Zuge des arabischen Frühlings hat der Monarch einige Befugnisse an das Parlament abgegeben und sich verpflichtet die stimmenstärkste Partei mit der Regierungsbildung zu beauftragen. Aus dem Umgang mit dem Stressszenario der Coronakrise, gepaart mit der hohen Jugendarbeitslosigkeit von rund 20 % werden die politischen Verhältnisse Marokkos als weitgehend stabil eingeschätzt.

1987 stellte Marokko einen Antrag auf EG-Mitgliedschaft, der jedoch aus geografischen Gründen abgelehnt wurde. Im Jahre 2000 wurde ein Assoziierungsabkommen geschlossen. Seit 2004 ist Marokko ein enger strategischer Partner der USA als Major non-NATO ally Staat und unterhält mit ihr eine Freihandelszone. Der Handel mit der USA ist von da an um das 20-fache gestiegen.

Die wirtschaftlich wichtigsten Sektoren Marokkos sind die Landwirtschaft (17 % des BIP) und der Bergbau (30 % des BIP). 75 % des weltweit geförderten Phosphats stammen aus Marokko. Der Tourismus erwirtschaftet in Außer-Corona-Zeiten rund 10 % des BIP und beschafft 10 % seiner Devisen.

Als Vorzeigeland erweist sich Marokko beim Klimaschutz und erreicht im zugehörigen Index Platz 7. Bis 2030 will es die Hälfte der Energie insbesondere aus den bereits gemeinsam mit französischen und deutschen Firmen stark ausgebauten Solar- und Windparks zu beziehen.

Ein andauernder Konflikt den Marokko mit sich führt ist jener um das Westsaharagebiet. Nachdem Marokko 1956 von Frankreich die Unabhängigkeit erhielt, zögerte Spanien die Entkolonialisierung hinaus. Schließlich fanden sich unter den Konfliktparteien die Widerstandsbewegung Polisario, Marokko, Algerien, Mauretanien, Spanien und das Gutachten des internationalen Gerichtshofs, der die Selbständigkeit des Gebiets forderte. Letztlich teilte ein Abkommen in Madrid 1975 das Land zwischen Mauretanien (das südlichen Drittel) und Marokko auf, das jedoch von der Polesario nicht anerkannt wurde. Die Inbesitznahme erfolgte von beiden Staaten unter Militärausrüstung und -beratung Frankreichs statt. Der Großteil der Bevölkerung, 100.000, wurde als Flüchtlinge von Algerien in Flüchtlingslagern aufgenommen. Algerien ließ ab diesem Zeitpunkt seinerseits Militärhilfe an die Widerstandsorganisation zukommen, das änderte aber nichts mehr an der Teilung. Mauretanien gab seine Ansprüche nach jahrelangen Kämpfen mit der nun von kommunistischen Staaten unterstützten Polesario auf, das anschließend von Marokko annektiert wurde. Ein ausstehendes Referendum wurde bis heute nicht durchgeführt. Die Beziehungen zur EU und USA sind von den offenen Fragen zum Westsaharaland nicht beeinträchtigt.

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