Modethema AI

11. Mär 2022 | Blog

VON Stefan Winkler

Kaum ein Thema gibt mehr Spielraum zum Debattieren, Philosophieren und Profilieren, als Artificial Intelligence. Selbstlernende Algorithmen, die im Schach und GO die großen menschlichen Meister mühelos schlagen oder durch Vorsummen eines Ohrwurms das entsprechende Lied identifizieren, schaffen es in die Schlagzeilen und verwundern und erstaunen so manchen Laien. Humanoide Roboter suggerieren eine sich öffnende Tür in die Welt der Science-Fiction, aber das Umfeld und das Diskussionsspektrum reichen viel weiter: Von Problemlösungen, für die der menschliche Intellekt nicht mehr ausreicht über die Angst unkontrollierbarer Auswüchse unbeherrschbarer Technologien bis hin zu ausgeklügelten Geschäftsideen findiger Investoren.

 

Eine Eingrenzung, ab wann von künstlicher Intelligenz gesprochen werden kann, ist gar nicht so einfach. SAP z.B. definiert Künstliche Intelligenz als Überbegriff für Anwendungen, bei denen Maschinen menschenähnliche Intelligenzleistungen erbringen. Darunter fallen das maschinelle Lernen oder Machine Learning, das Verarbeiten natürlicher Sprache (NLP – Natural Language Processing) und Deep Learning. Die Grundidee besteht darin, durch Maschinen eine Annäherung an wichtige Funktionen des menschlichen Gehirns zu schaffen – Lernen, Urteilen und Problemlösen. Ich selbst bin kein Freund der starken definitorischen Annäherung an den Menschen, da die Stärken von KI-Algorithmen zumindest derzeit in Bereichen liegen, die von den Stärken menschlicher Intelligenz gut differenzierbar sind. Überschneidungen wie Schach- oder GO Spielen sind für mich marketingstrategisch gepushte Annäherungen, die emotionalisieren sollen.

 

Natürlich hat das AI Thema längst den Veranlagungsbereich erreicht. Und gäbe es nicht das Thema Nachhaltigkeit und den scheußlichen Krieg, würde man sich in der Branche vermutlich über kaum etwas anderes unterhalten. Der globale AI Markt wird für das Jahr 2021 auf 327,5 Milliarden USD beziffert (Statista), die Investitionen in den Bereichen der Prozessautomatisation und AI business operations stiegen in den letzten Jahren kontinuierlich an (siehe folgende Tabelle)

 

 

Quelle Statista 2022

 

Künstliche Intelligenz hat in verschiedensten Varianten Einzug in die Fondsindustrie gehalten. Fonds, die sich auf Unternehmen spezialisieren, die sich der AI verschreiben, Fonds deren Anlageentscheidungen auf KI Algorithmen beruhen und Fonds, die beides kombinieren. Also KI Unternehmen mit KI Algorithmen auswählen. Ich nenne es mal KI². Über den Erfolg und die Zukunft dieser Produkte bitte ich Sie sich Ihre eigene Meinung zu bilden. Das sind aber nur die Aushängeschilder. Aber auch bei uns hat KI schon längst Einzug gehalten. Nicht ganz so spektakulär, aber hocheffizient. Das Einsatzgebiet findet sich in Bereichen der Analyse großer Datenmengen, deren Klassifizierungen mit klassischen Methoden bei weitem mühsamer und ineffizienter wären. Für Veranlagungsentscheidungen nutzen wir keine AI, sondern reine MI, also menschliche Intelligenz – zu 100 % pur und natürlich. Denn so effizient AI Algorithmen auch eingesetzt werden, um Gesetzmäßigkeiten in großen Datenmengen aufzudecken, wir können immer nur das Vergangene analysieren. Naturgesetze, die diese Regeln in die künftige Entwicklung transferieren würden, sind am Kapitalmarkt noch nicht bekannt.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: stefan.winkler@securitykag.at