24. Februar 2026

Die Rückkehr der Term-Prämie: Wenn Laufzeit wieder bezahlt wird

Der Spread zwischen 30- und 2-jährigen Staatsanleihen hat sich nach der ausgeprägten Inversionsphase der Jahre 2020 bis 2022 wieder deutlich ausgeweitet. Während das kurze Ende im Zuge rückläufiger Inflationsraten und erster Zinssenkungsschritte bzw. -erwartungen gegenüber den Höchstständen der restriktiven Geldpolitik von FED und EZB zwar schrittweise zurückgekommen ist, war der dominierende Treiber der steileren Renditekurven das lange Ende. 30-jährige Renditen sind teils spürbar gestiegen – und das trotz nachlassender Inflationsdynamik.

Die Bewegung ist damit weniger rein konjunkturell motiviert, sondern reflektiert strukturelle Anpassungen. Insbesondere vier Faktoren sind hervorzuheben:

  • Steigende Staatsverschuldung und strukturell höhere Budgetdefizite
  • Hohe Emissionsvolumina zur Refinanzierung bestehender Schulden
  • Rückzug der Zentralbanken aus dem Anleihemarkt (Quantitative Tightening statt Quantitative Easing)
  • Rückkehr einer positiven Laufzeitenprämie, also einer echten Vergütung für langfristige Kapitalbindung

Investoren verlangen damit wieder eine adäquate Kompensation für Durations-Risiko. Dieses Bild beschränkt sich dabei nicht nur auf den Euro- und USD-Raum, sondern ist vielfach global zu beobachten.

Abbildung 1: Renditedifferenz 30y-2y für ausgewählte Staatsanleihen

Quelle: Security KAG, Bloomberg; Daten per 17.02.2026

Wesentlich ist jedoch die historische Einordnung: Das aktuelle Ausmaß der Steilheit ist keineswegs außergewöhnlich. Über weite Strecken der vergangenen Jahrzehnte war eine klar positive Differenz zwischen langen und kurzen Laufzeiten der Normalzustand. Die extreme Verflachung und Inversion der vergangenen Jahre waren historisch betrachtet eher die Ausnahme – begünstigt durch massive geldpolitische Interventionen. Die aktuelle Kurvenform entspricht somit wieder stärker dem langfristigen Durchschnittsbild vieler Industrieländer.

Fiskalische Realität und Duration-Risiko

Für Staaten bedeutet das Umfeld steigender Langfristrenditen höhere Finanzierungskosten bei Neuemissionen längerer Laufzeiten. Angesichts hoher Refinanzierungsbedarfe ist das fiskalisch anspruchsvoll und beeinflusst zunehmend die Preisbildung an den Kapitalmärkten. Für Investoren mit bestehenden Long-Duration-Positionen waren die vergangenen beiden Jahre entsprechend herausfordernd. Bewertungsverluste im langen Segment haben Performance gekostet, und das Risiko weiterer Bewegungen bleibt bestehen, sofern die Term-Prämie weiter ansteigt.

 Neue Opportunitäten: Laufzeitenprämie und Roll-Down

Gleichzeitig hat sich das Opportunitätsset substanziell verbessert. Anders als im Niedrigzinsumfeld werden Investoren heute wieder für Duration entlohnt. Die Laufzeitenprämie ist zurück, die Carry-Strukturen sind positiv, und langfristige Renditeniveaus bieten eine deutlich robustere Ausgangsbasis für strategische Allokationen. Hinzu kommt der systematische Roll-Down-Effekt: In einer normal geneigten Zinskurve „rollt“ eine Anleihe mit sinkender Restlaufzeit in Bereiche niedrigerer Renditen hinein. Dieser Renditerückgang führt – bei unveränderten Marktbedingungen – zu Kursgewinnen. Je steiler die Kurve, desto ausgeprägter dieser Effekt.

Für professionelle Investoren eröffnet das die Möglichkeit, gezielt jene Laufzeitsegmente zu wählen, in denen sich Carry, Roll-Down und Risikobudget effizient kombinieren lassen – ohne auf makroökonomische Punktprognosen angewiesen zu sein. Die steiler werdenden Zins- und Renditekurven sind damit kein bloßes Marktgeräusch, sondern Ausdruck eines Regimes, in dem Kapital wieder einen Preis hat und Laufzeitrisiko wieder vergütet wird. Historisch betrachtet ist die aktuelle Steilheit durchaus normal – strategisch betrachtet eröffnet sie jedoch wieder echte Wertschöpfungspotenziale.

Kundenbetreuung und Strategische Produktentwicklung
Daniel Kupfner

Risikohinweis

Die Security BLOGS stellen lediglich die persönliche Meinung des Verfassers im Erstellungszeitpunkt und daher nicht die Meinung des Medieninhabers dar. Eine Haftung für diese Aussagen kann vom Medieninhaber ausdrücklich nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Weitere Artikel der Ausgabe 2026-02

24. Feb. 2026

Liquidität in Investmentfonds

In einen Fonds zu investieren, heißt für die Zukunft vorbauen. Unangenehm, wenn S …

10. Feb. 2026

Security KAG unterstützt neues Social-Tranches-Projekt: „Die Bewegte Schule“

Die Security Kapitalanlage AG erweitert ihr gesellschaftliches Engagement im Rahmen …

09. Feb. 2026

Security KAG unterstützt neues Social-Tranches-Projekt: „Die Bewegte Schule“

Die Security Kapitalanlage AG erweitert ihr gesellschaftliches Engagement im Rahmen …

Mit
Sicherheit
faktenbasiert.

Diese Website richtet sich primär an institutionelle öster­reichische Inves­toren und dient aus­schließlich zur Information unserer Anleger. Die Infor­mationen auf unserer Web­seite stellen kein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Finanz­instru­menten oder für eine Anlage­beratung dar. Trotz Bemühungen unserer­seits, die Inhalte weitest­gehend für alle Ziel­­gruppen aufzu­bereiten, können sich Inhalte auf der Web­site befinden, die nicht für private Anleger geeignet sind.
Sollten Sie als Privat­­anleger weiter­führende Informationen benötigen, wenden Sie sich bitte an Ihren Berater.
Alle unsere Fonds sind in Österreich zum Vertrieb zugelassen. Jene Fonds, die auch zusätzlich in Deut­sch­land zuge­lassen sind, finden Sie unter Fonds Deutschland.

Bitte informieren Sie sich in den gesetzlichen Verkaufs­unterlagen, wie beispielsweise im Prospekt oder dem Basis­informationsblatt (kurz „BIB“ gültig ab 1.1.2023), bevor Sie eine end­gültige Anlage­entschei­dung treffen. Beachten Sie die allgemeinen Risiko­hinweise unter Risikohinweis sowie die individuellen Risiko­hinweise der Fonds laut Prospekt sowie bei nachhaltigen Fonds unter Nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungen.