02. Januar 2026

Ertragschancen neu denken: Was das aktuelle Marktumfeld für die Asset-Allokation bedeutet

Nach mehr als einer Dekade extrem niedriger Zinsen und Renditen hat sich das Kapitalmarktumfeld grundlegend verändert. Während Anleger lange Zeit gezwungen waren, Risiko in Form hoher Aktienquoten einzugehen, um ihre Zielrenditen zu erreichen, eröffnet das heutige Zinsniveau wieder echte Alternativen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich eine zentrale Frage für Investoren neu: Wie viel Risiko – und konkret wie viel Aktien – braucht es heute tatsächlich noch im Portfolio?

 Ein vergleichbarer Blick auf Ertrag und Risiko

Um diese Frage fundiert zu analysieren, wurden im Zuge des vorliegenden Beitrags unterschiedliche Assetklassen und Segmente aus dem Aktien- und Anleihenbereich systematisch gegenübergestellt. Ziel war es, Ertragspotenzial und Risiko möglichst vergleichbar abzubilden.

Zur Messung des Ertragspotenzials wurden für Aktien und Anleihen zwar unterschiedliche, aber ökonomisch vergleichbare Kennzahlen herangezogen. Im Anleihenbereich wurde die jeweils aktuelle Rendite des entsprechenden Segments verwendet. Für Aktiensegmente kam hingegen die Gewinnrendite zum Einsatz, gemessen als invertiertes 12-Monats-Forward-KGV. Die bewusste Verwendung von Forward-Bewertungen trägt dem Umstand Rechnung, dass sowohl Anleiherenditen als auch Aktienbewertungen immer Erwartungen über die zukünftige Entwicklung widerspiegeln. Das Risiko der betrachteten Segmente wurde einheitlich über die historische Volatilität erfasst. Grundlage hierfür sind fünf Jahre historischer Daten auf Monatsbasis.

Ein bekanntes – und doch überraschendes Bild

Wie erwartet zeigen Aktiensegmente historisch höhere Volatilitäten als Anleihen. Interessant wird die Analyse jedoch dort, wo sich die Ertragspotenziale überschneiden.

Mehrere Anleihensegmente weisen aktuell Renditen auf, die durchaus mit jenen ausgewählter Aktiensegmente vergleichbar sind – jedoch bei deutlich geringerer Volatilität. Dieses Bild wäre vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen und ist ein direktes Resultat der veränderten Zinslandschaft.

Abbildung: Risiko-/Ertragsdiagramm verschiedener Asset-Klassen

Quelle: Security KAG; Daten: ICE BofA, Bloomberg

Die Konsequenz für die strategische Asset-Allokation

Die Implikation ist klar, wenn auch nicht trivial: Zielerträge, die früher nur mit hohen Aktienquoten erreichbar waren, lassen sich heute wieder mit geringerem Risiko darstellen.

Das bedeutet nicht, dass Aktien an Attraktivität verloren hätten oder aus Portfolios verschwinden sollten. Vielmehr eröffnet sich für Investoren ein neuer Gestaltungsspielraum:

  • Aktienquoten müssen nicht mehr zwangsläufig maximiert werden, um Renditeziele zu erreichen.
  • Anleihen übernehmen wieder eine echte Ertragsfunktion – nicht nur eine defensive oder stabilisierende Rolle.
  • Die Diskussion verschiebt sich von „Rendite um jeden Preis“ hin zu einer effizienteren Risikonutzung.

Gerade für institutionelle Investoren mit klar definierten Zielrenditen, regulatorischen Rahmenbedingungen oder bilanziellen Restriktionen ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Einordnung und Grenzen der Analyse

Wie bei jeder quantitativen Analyse ist auch dieses Ergebnis im richtigen Kontext zu interpretieren. Die dargestellte Gegenüberstellung abstrahiert bewusst von einzelnen Einflussfaktoren, die für eine Detailbetrachtung relevant wären. So unterscheiden sich die betrachteten Anleihensegmente beispielsweise deutlich in ihren Durationsprofilen, was insbesondere im aktuellen Zinsumfeld einen wesentlichen Einfluss auf das Risikoverhalten haben kann. Ebenso spielen unterschiedliche Währungsräume und der damit verbundene Absicherungsbedarf eine Rolle und auch strukturelle Unterschiede in den einzelnen Assetklassen sollten in der Praxis nicht unberücksichtigt bleiben.

Trotz dieser Einschränkungen liefert die Analyse einen wertvollen ersten Orientierungsrahmen. Sie zeigt auf, wie sich Risiko und Ertrag im aktuellen Marktumfeld zueinander verhalten und macht deutlich, an welchen Stellen tradierte Annahmen über die notwendige Risikoexponierung hinterfragt werden sollten.

Von der Marktbeobachtung zur fundierten Ertragserwartung

Bei der Security KAG gehen wir in der Praxis deutlich über solche vereinfachten Vergleiche hinaus. Im Rahmen unserer strategischen Asset-Allokation verfeinern wir diese Analysen systematisch.

Unser proprietärer Ansatz zur Bestimmung von Ertragserwartungen berücksichtigt unter anderem:

  • Kosten der Währungssicherung,
  • Ausfallswahrscheinlichkeiten und Bonitätskosten,
  • die Steilheit von Zins- und Credit-Kurven,
  • sowie weitere markt- und segmentspezifische Risikoprämien.

Ziel ist es, unterschiedliche Assetklassen ökonomisch vergleichbar zu machen und Entscheidungen auf eine möglichst robuste, datenbasierte Grundlage zu stellen – nicht auf Prognosen, sondern auf das aktuell beobachtbare Marktumfeld.

Fazit: Mehr Ertragsspielraum bei weniger Risiko

Das aktuelle Marktregime bietet Investoren Chancen, die lange Zeit nicht vorhanden waren. Wer bereit ist, die eigene Asset-Allokation kritisch zu hinterfragen, kann heute attraktive Erträge mit geringerem Gesamtrisiko erzielen als noch vor wenigen Jahren.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr nur: Wie viel Rendite erwarte ich?
Sondern zunehmend: Wie effizient nutze ich das Risiko, das ich eingehe?

Gerade in diesem Spannungsfeld liegt aus unserer Sicht der zentrale Mehrwert professioneller und systematischer Asset-Allokation.

Kundenbetreuung und Strategische Produktentwicklung
Daniel Kupfner

Risikohinweis

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