03. März 2026
Geduld statt Euphorie → Kapitalmärkte vor der nächsten Phase
Der Februar 2026 stand im Zeichen einer vorsichtigen Neujustierung der Markterwartungen. Nach dem dynamischen Jahresauftakt wich die Euphorie einer differenzierteren Betrachtung der konjunkturellen und geldpolitischen Perspektiven. Während sich die globale Wirtschaft weiterhin resilient zeigt, mehren sich die Hinweise auf eine Abschwächung der Dynamik.
Nach einem kräftigen Wachstum der US-Wirtschaft im 3. Quartal ist das 4. Quartal deutlich schwächer ausgefallen. Der Arbeitsmarkt kommt zunehmend unter Druck und Preiserhöhungen aufgrund der Zollpolitik erschweren dem Durchschnittsbürger zunehmend das Leben. Der Entscheid des Supreme-Courts und die daraufhin erneut verabschiedenden Zölle seitens der US-Administration ändern die Situation nicht grundlegend, auch wenn der Zeitraum der Wirksamkeit ein begrenzter ist. Die US-Notenbank hält an ihrem datenabhängigen Kurs fest. Zinssenkungserwartungen wurden im Monatsverlauf leicht nach hinten verschoben, da Inflationskomponenten im Dienstleistungsbereich hartnäckiger ausfielen als prognostiziert.
In der Eurozone präsentiert sich das Bild verhaltener. Deutschland kämpft weiterhin mit strukturellen Herausforderungen in der Industrie sowie einer schwachen Investitionsdynamik. Die Europäische Zentralbank signalisiert Bereitschaft zu vorsichtigen Lockerungsschritten im Jahresverlauf, allerdings verharrt die Kerninflation mit 2,5% p.a. noch deutlich über dem Zielniveau von 2%. Marktteilnehmer gehen momentan von keinen weiteren Zinssenkungen aus.
Geopolitisch blieb die Lage angespannt. Der Krieg in der Ukraine sowie der just in diesen Tagen von den USA und Israel gestartete koordinierte Angriff auf das iranische Regime sorgen für Unsicherheiten. Insbesondere kann davon ausgegangen werden, dass in diesem Umfeld Energiepreise und Risikoprämien wohl nicht sinken werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser Konflikt nicht in einen Flächenbrand ausbreitet. Politische Unsicherheiten werden – zumindest derzeit – wieder zu einem Bewertungsfaktor.
Anleihenmärkte
Die Geldmärkte reflektieren eine Phase geldpolitischer Geduld. Über die Derivatbörsen preisen Marktteilnehmer in den USA derzeit zwei bis drei Zinssenkungen im weiteren Jahresverlauf ein – damit etwas weniger als noch zu Jahresbeginn. Nachdem die Amtszeit von Jerome Powell nun ins Finale geht, werden zumindest in den nächsten drei Monaten keine Zinsschritte mehr erwartet. Spannend bleibt das Zusammenspiel des US-Präsidenten und dem designierten neuen Notenbankpräsidenten Warsh, der an sich als Verfechter einer strafferen Geldpolitik gilt. In der Eurozone scheinen wir vorerst am Ende des Zinszyklus angekommen zu sein. Weitere Senkungen sind wohl erst bei einem weiteren nachhaltigen Rückgang der Inflation zu erwarten.
Am Rentenmarkt zeigte sich im Februar eine deutliche Abwärtsbewegung der Renditen längerer Laufzeiten. Insbesondere US-Treasuries tendierten fester. Ansteigende geopolitischen Spannungen und merklich zugenommene Störungen an den Kapitalmärkten (Themen rund um Private Debt sowie den disruptiven Veränderungen durch KI) sind die Triebfedern dafür. Im 10jährigen Bereich der US-Staatsanleihen wurde das Renditeniveau von 4% wieder nach unten durchbrochen. Nicht ganz so stark zeigte sich der Renditerückgang in der Eurozone. Die Rendite deutscher 10jähriger Papiere sank um rd. 20 Bps. auf 2,65% p.a. ab. Spreads der Euro-Peripherie blieben weitaus stabil, was auf die anhaltende Nachfrage institutioneller Investoren zurückzuführen ist. Auch Unternehmensanleihen, sowohl im Investment-Grade als auch im High-Yield-Segment, zeigen weitaus stabile, wenn auch punktuell ambitionierte Risikoprämien. Anleihen dieser Segmente entwickelten sich stabil, wobei ähnlich der Aktienseite, auch hier die Differenzierung nach Emittenten-Qualität zunimmt. Der Markt zeigt wenig Toleranz gegenüber schwacher Cashflow-Generierung oder hoher Refinanzierungsabhängigkeit.
Für institutionelle Portfolios bleibt eine längere Duration auf aktuellem Niveau strategisch interessant. Allgemein sind die Zinskurven wieder recht steil – ein für unsere Fixed-Income-Strategie (FIXIS) optimales Umfeld.
Aktienmärkte
Die internationalen Aktienmärkte zeigten im Februar eine heterogene Entwicklung. Nach der starken Performance im Januar kam es zu Gewinnmitnahmen, insbesondere im Technologiesektor bzw. in einigen Untersektoren des Technologiesektors.
In den USA bleibt die Marktbreite ein zentrales Thema. Während große Plattform- und KI-getriebene Unternehmen weiterhin hohe Bewertungsniveaus rechtfertigen, verläuft die Entwicklung in den zyklischen Segmenten differenzierter. Margenstabilität, Potential zur Cash-Flow-Generierung und Preissetzungsmacht werden wieder stärker honoriert.
In Europa leiden hingegen immer noch exportabhängige Sektoren unter der schwachen Industrieproduktion und der nur schleppenden Erholung/Nachfrage Chinas. Defensivere Branchen wie Gesundheit und Basiskonsum konnten sich hingegen sehr gut behaupten. Grundsätzlich entwickeln sich europäische Aktien trotz der immer noch geringen konjunkturellen Dynamik vergleichsweise gut. Traditionelle Marktsegmente nehmen ein höheres Gewicht ein und die Wirtschaftsaussichten beginnen sich zu bessern.
Parallel dazu zeigten sich Schwellenländer uneinheitlich. Asien profitiert teilweise von Kapitalzuflüssen, während Lateinamerika stärker von Rohstoffpreisbewegungen beeinflusst wurde. Aktien aus China leiden weiterhin unter den gegebenen Rahmenbedingungen.
Bewertungsseitig bleiben die USA anspruchsvoll, jedoch auch weiterhin gestützt durch ein beachtliches Gewinnwachstum. Wir durchleben derzeit einen Stimmungswandel im Hinblick auf das ganze Thema Artificial Intelligence. Einerseits wirbelt die disruptive Technologie seit einiger Zeit den gesamten Software-Sektor durch – so ist momentan Software as a Service massiv unter Druck und Kursverluste von 30 bis 50% eher die Norm als die Ausnahme – andererseits werden Investoren zunehmend kritischer im Hinblick auf die Monetarisierung der gigantischen Investitionen. Schenkt man der Kursentwicklung Glauben, so wird auch hier künftig kein Stein am anderen bleiben.
Allgemein verschiebt sich der Fokus der Investoren von „Multiple Expansion“ hin zu „Earnings Delivery“. Hochwertige Diversifikation ist aktuell entscheidender denn je – eine gleichgewichtete Titel-Ausrichtung oder auch die besonnene Ausrichtung nach Faktoren sind gangbare Wege, um Clusterrisiken zu entschärfen. Qualitätstitel mit soliden Bilanzen, nachhaltigem Cashflow und klarer strategischer Positionierung sind weiterhin zu bevorzugen.
Währungen – Edelmetalle
Der US-Dollar konnte im Februar gegenüber dem Euro leicht zulegen. Die verzögerten Zinssenkungserwartungen in den USA stützten die Währung, während in Europa angesichts der Preisentwicklung und der schleppenden industriellen Entwicklung Lockerungsschritte wahrscheinlicher erscheinen. Der japanische Yen blieb volatil, da Marktteilnehmer weiterhin Normalisierungsschritte der japanischen Geldpolitik antizipieren.
Nach dem Crash der Edelmetallpreise Ende Januar konnte sich der Goldpreis auf hohem Niveau behaupten. Das Edelmetall blieb trotz leicht steigender Realrenditen gefragt – getrieben von geopolitischen Risiken, anhaltender Zentralbanknachfrage und der Funktion als Portfolioabsicherung.
In einem Umfeld geo-politischer Unsicherheit und einer potenziell wieder anspringenden graduellen geldpolitischer Lockerung behalten Edelmetalle auch weiterhin ihren Charakter als strategische Diversifikatoren.
Ausblick
Die kommenden Monate dürften von erhöhter Sensitivität gegenüber Konjunkturdaten geprägt sein. Die Märkte befinden sich in einer Übergangsphase. Wir entfernen uns wieder von einer restriktiven Geldpolitik und wenden uns hin zu vorsichtigen Lockerungsmaßnahmen. Ein nachhaltiger konjunktureller Einbruch ist momentan nicht in Sicht.
Die künftige Entwicklung an den Kapitalmärkten wird maßgeblich von der Entwicklung folgender Faktoren geprägt sein:
- Können wir den Pfad der abnehmenden Inflation global halten?
- Bleibt der (US-)Arbeitsmarkt robust?
- Erholt sich die europäische Industrie/Konjunktur auch nachhaltig?
- Kann ein Flächenbrand der aktuellen Konflikte verhindert werden?
Ob ihres Realwertcharakters bleiben Aktien strukturell gefragt, jedoch mit geringerer Fehlertoleranz. Anleihen gewinnen als laufender Ertragsbringer sowie auch als Diversifikationsinstrumente wieder an Attraktivität. Liquidität erhält strategischen Wert, um Opportunitäten bei zwischenzeitlichen Korrekturen bzw. Volatilitätsschüben zu nutzen.
Der Februar 2026 markiert wohl noch keinen Wendepunkt, sondern vielmehr eine Phase der Marktbereinigung und Neuorientierung. In einem Umfeld moderater, aber positiver Wachstumsraten und weiterhin graduellen geldpolitischen Lockerungsakzenten spricht vieles für eine Fortsetzung des Aufwärtszyklus an den Aktienmärkten, ganz nach dem Motto: „Bull markets don’t die on age“. Viel mehr sind es Interventionen oder externe Schocks, die dem Trend ein Ende setzen.
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