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20. Januar 2026

Müssen Finanzanlagen wirklich etwas „wert“ sein, oder gibt es jetzt Luxusartikel nun auch bei der Kapitalanlage?

Über die meiste Zeit war die Menschheitsgeschichte geprägt von fürchterlichen Entbehrungen. Unsere Vorfahren hatten vor hunderten Jahre Mühe, das nackte Überleben zu sichern.  Mit dem Wohlstand seit dem Wiederaufbau nach den 2. Weltkrieg kam es jedoch zunehmend zu einer Überflussgesellschaft, wodurch selbst die Mittelschicht ausreichend Waren und Dienstleistungen konsumieren konnte, welche Lebensqualität, Ansehen und Prestige verkörperten. Dementsprechend kam auch die  Luxusartikelindustrie richtig in Fahrt, die Menschen kauften zunehmend also Dinge, die man nicht wirklich braucht und welche außer vielleicht Prestige wenig oder keinen objektiven Mehrwert liefern.

Zeitversetzt scheint sich nun ein ähnliches Phänomen auch an den Finanzmärkten herauszubilden. Einerseits entstanden neuartige Assets, welche sich einer objektiven Bewertung durch einschlägige Analysen entziehen, und andererseits sehen wir einen regelrechten Hype um Edelmetalle, welchen man zwar einen Wert zurechnen kann, aber keinerlei wirtschaftlichen Mehrwert mangels Produktivität liefern können. Denn im Unterschied zu Aktien und Anleihen, welche durch ihren direkten Konnex zum Finanzmarkt an der Wertschöpfung der Realwirtschaft in Form von „Früchten“ (z.B. Zinszahlung bei Anleihen, Dividenden bei Aktien) teilhaben, gibt es diese Früchte bei Edelmetallen und sonstigen Rohstoffen nicht. Bei den Kryptowährungen existiert zusätzlich nicht einmal ein materielles und werthaltiges Gut, sondern einzig eine „Gutschrift“ auf einem digitalen Konto, welche im Wert ausschließlich von Angebot und Nachfrage abhängt und damit mit der Realwirtschaft so gut wie nichts zu tun hat.

Die folgende Abbildung zeigt die Wertentwicklung von Gold, Bitcoin, MSCI-World Aktien, Globlen Staatsanleihen und US-Corporates im Vergleich der letzten 5 Jahre. Deutlich ist zu erkennen, dass Bitcoin und Gold bei weitem die Charts anführen, gefolgt von den Aktien und weit abgeschlagen den Anleihen. Erstaunlich ist dabei die Entwicklung des Goldpreises, welcher sich immerhin an einem realen Wertmaßstab messen lässt. Dennoch liegt der Preis von derzeit USD 4.500 pro Feinunze weit über dem Herstellungspreis von rund USD 1.300. Weit rationaler als der Ankauf von Gold wäre somit der Ankauf von Goldminen.

Quelle: Bloomberg

Welche Schlüsse können wir daraus ziehen?

Zum einen, dass die Wertentwicklung der Assets sich zumindest in den letzten 5 Jahren einer Betrachtung von „inneren Werten“ entzogen hat, ja im Gegenteil, je weniger

„Wert“ man einem Asset beimessen konnte, desto besser die Wertentwicklung! Dies lässt sich auch bei einigen Technologieaktien beobachten, die eine geradezu atemberaubende Kursentwicklung selbst ohne Vorhandensein einer möglichen Wachstumsstrategie aufweisen (z.B. Tesla).

Damit werden Assets wie Gold, Silber und einige Kryptowährungen sowie auch ausgewählte Einzeltitel bei Aktien zu einem „Luxusartikel“, wo es explizit nicht mehr auf den Wertgehalt ankommt, sondern eher mehr um hemmungslose Spekulation ohne fundamentalen Hintergrund.

Warum sollen also Investoren dann noch traditionelle Aktien und Anleihen kaufen? Einfach deshalb, weil diese mit der Realwirtschaft unmittelbar verknüpften Assets mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit langfristig an realem Wert zulegen und damit die Kaufkraft der Investierenden steigern. Bei den „Luxusgütern“ der Finanzindustrie ist dies mangels ausreichender Wertbeimessung keinesfalls sicher und diese könnten somit im Anlassfall wieder zu dem werden, was sie größtenteils sind: Leere Versprechen …

Peter Ladreiter
Prokurist, Fondsmanagement Versicherungs- & Garantieprodukte
Peter Ladreiter

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