07. April 2026

Schlagzeilen treiben Märkte – und Anleger gleich mit

Mit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran standen zum wiederholten Male geopolitische Themen im Mittelpunkt der Nachrichtenlage. Aus der zunächst gedachten schnellen Blitzaktion hat sich nun ein regionaler Flächenbrand entwickelt, der bereits länger als einen Monat andauert. Die Unterbrechung der für die Energieversorgung wichtigen Straße von Hormus weckt Erinnerungen an die Lieferkettenunterbrechungen zur Covid-Zeit. Die Energiepreise schnellen in die Höhe, und damit wird wohl auch die lautstark angekündigte konjunkturelle Erholung in Europa wieder abgesagt werden.

Je länger der Konflikt andauert, desto problematischer wird sich das Resultat darstellen – für alle Stakeholder. Das weiß auch der US-Präsident, dessen Rückhalt inzwischen auch innerhalb der Partei schwindet und dessen Umfragewerte immer stärker in den Keller rasseln. Die Lage ist angespannt: NATO-Verbündete verweigern die Unterstützung. Offensichtlich hat sich Trump in etwas hineinmanövriert, aus dem ein schnelles Entkommen zunehmend schwierig erscheint. Es bleibt zu hoffen, dass eine weitere Eskalation unterbleibt.

Während Parallelen zu einstigen Konflikten (Suez, Vietnam etc.) durchaus erkennbar sind, gelingt definitiv eine gewisse Ablenkung von innenpolitischen Themen. Spannend bleibt weiterhin die Frage, wie es die USA in diesem Umfeld schaffen werden, innerhalb der nächsten zwölf Monate knapp ein Drittel der ausstehenden Staatsschulden zu refinanzieren – insbesondere im Umfeld eines zunehmenden Vertrauensverlustes, höherer Volatilitäten und steigender Zinsen bzw. Kapitalmarktrenditen. Die bereits wieder ansteigende Bilanzsumme der US-Notenbank zeigt wohl die Richtung kommender Interventionen bereits an. In teils abgeschwächter Form gilt dies ebenso für andere Industrieländer, die vor einem Schuldenberg stehen, der in den kommenden Jahren zu refinanzieren ist.

Anleihenmärkte

Begründete Inflationsängste lösen unterdessen massive Verschiebungen der erwarteten Geldmarktzinsen aus. Während Marktteilnehmer vorerst keine weiteren Senkungen der US-FED einpreisen, zeigt der Pfad für die EZB mit knapp drei Erhöhungen noch in diesem Jahr steil nach oben. Es kann davon ausgegangen werden, dass ein Ende der Krise wohl auch unmittelbare Auswirkungen auf diese Erwartungen haben wird – angesichts der kriegerischen Handlungen kann eine Entwarnung allerdings nicht gegeben werden.

Die internationalen Anleihemärkte waren im März geprägt von einer erhöhten Sensitivität gegenüber den zuvor beschriebenen Entwicklungen. Die Steilheit der Zinskurven hat auf breiter Ebene abgenommen. Während Renditen am vorderen Ende der Kurven materiell angestiegen sind, hat das längere Ende kaum reagiert (z. B. USA) bzw. ist – wie im Falle der EUR-Kurve – sogar gesunken.

Der internationale Kapitalmarkt ist nahtlos von einem risikosuchenden Regime in einen Risk-Off-Modus übergegangen. Steigende Spreads auf breiter Basis zeugen von der Zurückhaltung der Investment-Community. Auch die Risikoprämien in den Peripheriestaaten im Euroraum haben sich im letzten Monat deutlich erhöht. Im Falle Italiens sind die Renditen zehnjähriger Staatspapiere zwischenzeitlich auf 4% p.a. angestiegen – die Ausweitung der Spreads zu deutschen Bundesanleihen erreichte dabei >25 Basispunkte. Die Rendite des österreichischen Pendants handelt per Ende März bei rd. 3,3% p. a.

Sämtliche Credit-Segmente wiesen zuletzt eine Ausweitung der Risikoaufschläge auf. Diese entfernten sich damit wieder von den historisch engen Niveaus. Angesichts der Tragweite der geopolitischen Konflikte fiel die Ausweitung bisweilen allerdings moderat aus. Seit den Tiefstständen im Januar dieses Jahres stiegen die Risikoprämien im Segment der globalen Investment-Grade-Anleihen um rd. 20 Basispunkte an. Während sich Spreads von Anleihen der Emerging Markets, begeben in Hartwährung, um rd. 40 Basispunkte ausweiteten, ist diese Entwicklung im Falle der High-Yield-Bonds (+60 Bps. Anstieg) am stärksten ausgeprägt.

Die weitere geopolitische Eskalation oder auch Deeskalation wird den Pfad der Risikoprämien bestimmen. Jedenfalls sehen wir die Entspannung der zwischenzeitlich sehr engen Spreads als gesunde Marktentwicklung an.

Aktienmärkte

Die Gemengelage aus geopolitischen Themen, Inflationsängsten und potenziellen Lieferkettenunterbrechungen veranlasste Investoren auf der Aktienseite ordentlich auf die Bremse zu treten. Während sich die Stimmung zu Monatsbeginn noch als freundlich darstellte, führte eine Zunahme der Unsicherheiten/der Volatilitäten im weiteren Verlauf zu einer differenzierteren Entwicklung über Sektoren hinweg.

Sämtliche global bedeutenden Aktienindizes beendeten den März mit Kursverlusten. Im Mittel lagen diese zwischen 4% und 8%. Selbst der breite US-S&P-500-Index verzeichnete fünf Verlustwochen in Folge. Angesichts dieser negativen Entwicklung ist davon auszugehen, dass eine Entspannung der geopolitischen Situation zwischenzeitliche Kursfeuerwerke auslösen kann.

Sektorenseitig zeigte sich eine Verfestigung der Rotation. Der Glanz der IT-Werte hat massiv abgenommen. Das zurzeit beobachtbare Re-Pricing der Aktienkurse von Software- und IT-Service-Unternehmen lässt die Schlussfolgerung zu, dass diese einstigen Vorzeigeunternehmen innerhalb weniger Monate zum Opfer ihres eigenen Erfolges wurden. Die massive Integration von KI-Anwendungen in diesen Segmenten führt zu Massenentlassungen und zu einer Re-Evaluierung vieler Geschäftsmodelle.

Am anderen Ende der Segmentpalette profitieren Unternehmen der Energie- und Basismaterialien-Branche am stärksten vom aktuellen Umfeld. Die Kombination aus niedriger Bewertung dieser Sektoren, hohen Dividendenrenditen und den schnellen Preisanstiegen (Öl, Gas etc.) veranlasst viele Investoren zu einer Re-Allokation der Gelder und der Aufstockung dieser Segmente.

Währungen – Edelmetalle

Im gegenwärtigen Umfeld erwies sich der US-Dollar als Zufluchtswährung und legte im März (ggü. Euro) rd. 3% zu. Interessant bleibt weiterhin die Entwicklung in Japan. Während die Renditen in den langlaufenden Anleihensegmenten weiter anstiegen und damit den Trend fortsetzten, zeigt sich der japanische Yen mit rd. 183 Yen pro Euro anhaltend schwach. Demnach scheint ein Urlaub im Land der aufgehenden Sonne weiterhin erwägenswert.

Der Gold- und Silberpreis legte hingegen eine Pause ein. Nach den parabolischen Anstiegen bis in den Januar hinein zeigten die Edelmetallpreise erhebliche Rückgänge. Angesichts der geopolitischen Krisen ist dies untypisch und lässt dahinter eher massive Verkäufe einzelner sehr großer Investoren vermuten.

Wenn auch kurzfristig der US-Dollar zulegen konnte, hat das langfristige Vertrauen in die Währung zuletzt massiv abgenommen. Internationale Notenbanken haben Goldbestände sukzessive aufgestockt. Parallel dazu verlieren US-Dollar-Währungsreserven zunehmend an Bedeutung.

Ausblick

Der Ausblick für die kommenden Monate bleibt von einem anspruchsvollen und vielschichtigen Umfeld geprägt. Im Zentrum der Aufmerksamkeit werden wohl die weiteren Entwicklungen rund um Iran sowie mögliche Auswirkungen auf Energiepreise und globale Handelsströme sein. Diese Faktoren bergen erhebliches Unsicherheitspotenzial. Eine Eskalation könnte kurzfristig zu erhöhter Volatilität an den Finanzmärkten führen, während eine Stabilisierung das Vertrauen der Investoren stärken würde.

Unmittelbar damit werde die weiteren geldpolitischen Entscheidungen der großen Zentralbanken einhergehen. Inflationsentwicklung und Finanzmarktstabilität werden die Zinspolitik bestimmen. Konjunkturell trübt sich die Situation mit zunehmender Länge des Iran-Konflikts sukzessive ein. Viel wird vom zarten Pflänzchen der konjunkturellen Erholung Europas wohl nicht übrig bleiben. In den USA ist von einer weiteren Abschwächung der Wachstumsraten sowie von einem zur Schwäche neigenden Arbeitsmarkt auszugehen.

Angesichts der Unvorhersehbarkeit der geopolitischen Gemengelage bleibt eine gute Diversifikation wohl das Gebot der Stunde. Angesichts der Nervosität ist davon auszugehen, dass der Markt kurzfristig in beide Richtungen ausschlagen kann. Was die strategische Ausrichtung der Portfolios betrifft, orientieren wir uns an den Ertragserwartungen, die zuletzt sowohl auf der Anleihen- als auch auf der Aktienseite angestiegen sind.

 

Alfred Kober
Vorstand, CIO, Leitung Aktienfondsmanagement
Alfred Kober

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