02. Februar 2026
Wenn alte Sicherheiten bröckeln und neue Risiken eingepreist werden
Der Jahresbeginn 2026 ist von einem anspruchsvollen makroökonomischen und politischen Umfeld geprägt, das Investoren weiterhin zu einer selektiven und risikobewussten Positionierung zwingt. Geopolitische Spannungen bleiben ein zentraler Unsicherheitsfaktor und wirken als latente Volatilitätstreiber über alle Anlageklassen hinweg. Strategische Rivalitäten, fragile internationale Bündnisse sowie ungelöste Konfliktherde erhöhen die Risikoprämien und begünstigen phasenweise eine defensive Allokation. Die anhaltenden Konflikte, wie der Einsatz der USA in Venezuela sowie anhaltende Auseinandersetzungen im Nahen Osten lösten Besorgnis aus. Diese Dynamik beeinflusste Rohstoffpreise und Investorensentiments spürbar, wenngleich die Märkte bislang relativ resilient blieben. Gleichzeitig gerieten transatlantische Beziehungen in den Fokus. Die „Grönland-Krise“ zwischen den USA und Europa sorgten für politische Spannungen, die für Unverständnis und zeitweise zu erhöhter Volatilität an den Finanzmärkten führten.
Makroökonomisch setzt sich das globale Wachstum fort, allerdings mit deutlich divergierenden regionalen Dynamiken. Die US-Wirtschaft zeigt sich weiterhin widerstandsfähig, verliert jedoch angesichts restriktiver Finanzierungsbedingungen an Momentum. In Europa bleibt das konjunkturelle Umfeld indes fragil. Strukturelle Schwächen und eine gedämpfte Investitionstätigkeit begrenzen die Erholungsperspektiven. China stabilisiert sich auf einem niedrigeren Wachstumspfad, wodurch der Beitrag zu globalen Wachstumsimpulsen moderat bleibt.
Die Inflationsentwicklung signalisiert eine schrittweise Normalisierung, während die Kerninflation in mehreren Volkswirtschaften erhöht verharrt. Für die Geldpolitik ergibt sich daraus ein Spannungsfeld: Zinssenkungserwartungen sind grundsätzlich intakt, werden jedoch durch geopolitische Risiken, fiskalische Unsicherheiten und die Gefahr erneuter Angebotsschocks begrenzt. Die großen Zentralbanken agieren entsprechend datenabhängig und vermeiden ein klare Forward Guidance.
Auf fiskalpolitischer Ebene stehen Konsolidierungsbemühungen im Vordergrund, während gleichzeitig wachstumsstützende Maßnahmen erforderlich bleiben. Für Kapitalmarktteilnehmer bedeutet dieses Umfeld eine erhöhte Bedeutung aktiver Allokationsentscheidungen, einer disziplinierten Risikosteuerung und einer differenzierten Betrachtung von Laufzeiten-, Länder- und Sektorprämien. Insgesamt bleibt der Start ins Jahr 2026 von strukturellen Unsicherheiten geprägt, eröffnet jedoch selektive Opportunitäten für langfristig orientierte Investoren.
Anleihenmärkte
Die internationalen Anleihemärkte waren im Januar 2026 von einer differenzierten Entwicklung geprägt. Staatsanleihen hoher Bonität profitierten in weiten Teilen von erhöhter Risikoaversion sowie von Erwartungen eines mittelfristig lockereren geldpolitischen Kurses. Entsprechend bewegten sich die Renditen in Europa überwiegend seitwärts, in den USA hingegen leicht steigend. Dabei reagierten vor allem längere Laufzeiten besonders sensibel auf Konjunktur- und Inflationsdaten.
Ein gegenläufiges Bild zeigte sich in Japan. Dort kam es zu einem deutlichen Renditeanstieg. Die Kombination aus strukturellen geldpolitischen Veränderungen und sich wandelnden wirtschaftlichen Fundamentaldaten markiert einen Wendepunkt in der japanischen Finanzmarktlandschaft. Diese war jahrzehntelang von einer ultraexpansiven Geldpolitik geprägt. Renditen 40-jähriger Staatsanleihen stiegen allein im Januar zwischenzeitlich um >60Bps. auf 4,2% p.a. an. Problematisch wird dies im Kontext der hohen Staatsverschuldung (>250% zum BIP), auch für das eine od. andere Finanzinstitut können derart einschneidende Entwicklungen potenziell problematisch werden. Der dynamische Renditeanstieg weckte bei vielen von uns Erinnerungen an die glücklose Amtszeit von Liz Truss und den parabolischen Spike der UK-Anleiherenditen im Spätsommer 2022 im längeren Bereich.
Unternehmensanleihen entwickelten sich insgesamt stabil, wenngleich die Dynamik der Risikoaufschläge segmentiert blieb. Investment-Grade-Anleihen profitierten weiterhin von soliden Fundamentaldaten und attraktiven laufenden Erträgen, während im High-Yield-Segment eine zunehmende Selektivität der Investoren zu beobachten war. Insgesamt bieten Anleihen guter Schuldner zu Jahresbeginn 2026 attraktive Renditen und vor allem auch wieder ein relevantes Maß an Diversifikationspotenzial.
Emerging-Markets-Anleihen in Hartwährung zeigten sich im Januar 2026 insgesamt robust, profitierten von einigermaßen stabilen US-Renditen und einer moderaten Risikobereitschaft der Investoren. Die Spreads blieben dabei überwiegend eng.
Aktienmärkte
Die internationalen Aktienmärkte starteten uneinheitlich ins Jahr 2026 und verhielten sich trotz der bedenklichen geopolitischen Entwicklungen erstaunlich robust. Nach der starken Performance vieler Indizes im Vorjahr dominierten im Januar Gewinnmitnahmen und eine kritischere Neubewertung von Kursbewertungen und Gewinnerwartungen. Die Märkte reagierten sensibel auf makroökonomische Daten, geldpolitische Signale und geopolitische Nachrichten, was zu erhöhter Volatilität führte.
US-Aktien behaupteten sich vergleichsweise gut, getragen von robusten Unternehmensgewinnen und einer weiterhin soliden Binnenkonjunktur. Gleichzeitig nahm die Spreizung innerhalb des Marktes merklich zu. Während qualitativ hochwertige, margenstarke Unternehmen gefragt blieben, gerieten nun hoch bewertete Wachstumswerte zunehmend unter Druck. In Europa zeigte sich ein verhalteneres Bild. Schwaches Wachstum, politische Unsicherheiten und strukturelle Belastungsfaktoren bremsen das Aufwärtspotenzial, insbesondere in zyklischen Sektoren, anhand derer die bedenkliche geostrategische Situation, was Europas Zukunft betrifft, immer stärker zum Ausdruck kommt.
Asiatische Aktien entwickelten sich hingegen heterogen. Japanische Titel profitierten teilweise von strukturellen Reformhoffnungen, wurden jedoch von den stark ansteigenden Kapitalmarktrenditen gebremst. Wenngleich Wachstum und Vertrauen in China fehlen, scheinen chinesische Aktienkurse, allen voran einige bekannte IT-Unternehmen, sukzessive einen Boden auszubilden.
Insgesamt markiert der Januar 2026 einen Übergang von einer breit getragenen Marktphase hin zu einem Umfeld, in dem Fundamentaldaten, Preissetzungsmacht und Bilanzqualität wieder stärker über die Aktienperformance entscheiden. Die zuletzt gute relative Performance zyklischer Segmente in den Energie- und Rohstoffbereichen indizieren einen Aktienmarkt, der sich bereits in einem reifen Stadium befindet.
Währungen – Edelmetalle
Auch die Währungsmärkte waren im Januar 2026 von markanten Verschiebungen geprägt. Besonders Japan rückte dabei in den Fokus. Die bedenkliche Zunahme der Steilheit der japanischen Zinskurve mit darauffolgender abrupter Renditeabnahme und einem stärkeren Yen hegt den Verdacht koordinierter Interventionen. Wurden klassische Yen-Carry-Trades abrupt reduziert? Der US-Dollar zeigte sich insgesamt stabil, während der Euro mangels klarer Wachstumsimpulse wenig eigene Akzente setzte.
Bei Edelmetallen dominierten Extreme. Silber verzeichnete in der zweiten Monatshälfte parabolische Anstiege, getrieben von geopolitischen Risiken, erhöhtem Absicherungsbedarf und spekulativen Zuflüssen. Am 30. Januar kam es schließlich zu einem plötzlichen Abverkauf in historisch Ausmaß von >30%. Trotz dieses Crashs verzeichneten beide Metalle einen Kurszuwachs von >10% seit Jahresbeginn.
Ausblick
Für die kommenden Monate ist von einem weiterhin anspruchsvollen Marktumfeld auszugehen. Politische und geldpolitische Entscheidungen bleiben der zentrale Taktgeber, wobei der Handlungsspielraum der Zentralbanken durch geopolitische Risiken, fiskalische Unsicherheiten und fragile Wachstumsperspektiven begrenzt ist. Auch wird das Vertrauen in Institutionen und Notenbanken ein entscheidender Faktor für die weitere Entwicklung der globalen Kapitalmärkte bleiben. Die zunehmende geldpolitische Divergenz – insbesondere zwischen Japan und den westlichen Industrieländern – dürfte weiterhin einen bestimmenden Faktor für materielle Kapitalverschiebungen und damit anhaltender Volatilität an den Zins- und Währungsmärkten darstellen.
An den Aktienmärkten spricht vieles für eine Fortsetzung der erhöhten Spreizung zwischen Regionen, Sektoren und Einzeltiteln. Bewertungsdisziplin und Fundamentaldaten gewinnen merklich an Bedeutung – dies dürfte sich auch weiter fortführen. Damit verlieren breit angelegte Marktbewegungen an Aussagekraft. Anleihemärkte bieten weiterhin attraktive Erträge – die Attraktivität hoher Bonitäten hat im Vergleich zu risikoreicheren Segmenten zuletzt zugenommen.
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