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05. Februar 2026

Estland

Estland liegt im Nordosten Europas und ist das nördlichste der drei baltischen Staaten. Es grenzt im Süden an Lettland, im Osten an Russland und im Norden an den Finnischen Meerbusen. Mit einer Fläche von 45.227 km² ist Estland etwas größer als die Schweiz, zählt jedoch mit etwa 1,3 Millionen Einwohnern zu den am dünnsten besiedelten Ländern Europas. Rund zwei Drittel der Bevölkerung sind ethnische Esten (finno-ugrisches Volk), während etwa ein Viertel russischer Abstammung sind. Die ethnische Zusammensetzung der Wahlberechtigten entspricht ca. 85% estnische und 13% russischstämmige Herkunft. Ca. 58% der russischstämmigen Bürger verfügen über die estnische Staatsbürgerschaft. Auf kommunaler Ebene wurde kürzlich (2025) Bürgern ohne Staatsbürgerschaft das Wahlrecht entzogen.

Estland blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Im Mittelalter gehörte das Gebiet zum Einflussbereich des Deutschen Ordens, später stand es unter schwedischer und ab 1721 unter russischer Herrschaft. Nach dem Ersten Weltkrieg erlangte Estland 1918 seine Unabhängigkeit, wurde jedoch 1940 von der Sowjetunion besetzt, während des Zweiten Weltkriegs zeitweise von Deutschland kontrolliert und nach 1944 erneut Teil der Sowjetunion. 1991 stellte Estland seine Unabhängigkeit wieder her. Die wirtschaftliche Transformation nach der sowjetischen Ära erfolgte schnell und konsequent mit einer marktwirtschaftlichen Ausrichtung.

Estland hat sich zu einer der dynamischsten Volkswirtschaften Europas entwickelt. Die Wirtschaftspolitik ist von einem liberalen Steuerregime geprägt. Die Unternehmenssteuer auf nicht ausgeschüttete Gewinne beträgt 0 %, was Anreize für Reinvestitionen schafft. Estland weist eine sehr niedrige Staatsverschuldung und ein stabiles Bankensystem auf, wodurch das Land als investitionsfreundlich gilt. Der Außenhandel spielt eine zentrale Rolle: Die wichtigsten Handelspartner sind Finnland, Schweden, Deutschland und Russland.

Im Arbeitsmarkt hat Estland eine hohe Beschäftigungsquote. Eine Herausforderung besteht in der Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte in westliche EU-Länder. Im Bildungswesen nimmt es regelmäßig gemeinsam mit Finnland die Spitzenplätze im PISA-Ranking unter den europäischen Nationen ein.

Estland ist eine parlamentarische Demokratie. Es gilt als eines der korruptionsärmsten Länder Europas und belegt in internationalen Governance-Rankings regelmäßig vordere Plätze. Die Transparenz des politischen Systems und die weitreichende Digitalisierung der Verwaltung tragen zur wirtschaftlichen Effizienz bei. Bereits 2005 führte Estland als erstes Land elektronische Wahlen ein. Nahezu alle Behördengänge, von Unternehmensgründungen bis zur Steuererklärung, können online erledigt werden. Dies spart nicht nur Zeit, sondern reduziert auch Verwaltungskosten erheblich und steigert die Attraktivität des Landes für Investoren und Start-ups.

Günther Moosbauer
Anleihenfondsmanagement
Günther Moosbauer

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