30. Juli 2026
Hohe Gewinne, hohe Erwartungen, hohe Unsicherheit
Summary:
- Geopolitische Risiken und Energiepreise belasten, während KI und Unternehmensgewinne Stabilität verleihen.
- Gestiegene Renditen schaffen attraktive Ausgangsbasis für Anleger in festverzinslichen Segmenten.
- Aktienseitig überzeugen Gewinne – die Monetarisierung im KI-Sektor entscheidet über deren nächste Marktphase.
- Geopolitische Risiken halten Rohstoffpreise hoch und Währungen volatil.
- Attraktive Anleiherenditen und hohes Gewinnwachstum der Unternehmen als gutes Fundament für den Blick nach vorne.
Die globalen Kapitalmärkte konnten ihre bemerkenswerte Entwicklung im Juli 2026 leider nicht fortsetzen. Dazu war der Einfluss durch geopolitische Spannungen, den wieder erstarkten Energiepreisen und der nur moderat wachsenden Weltwirtschaft einfach zu stark. Letzteres wird weiterhin von strukturellen Wachstumsthemen wie der künstlichen Intelligenz, Digitalisierung und umfangreichen Infrastrukturinvestitionen mitgetragen. Hingegen blieben die geopolitischen und geldpolitischen Rahmenbedingungen herausfordernd. Hohe Energiepreise, anhaltende Konflikte in mehreren Weltregionen sowie ein insgesamt widerstandsfähiges, aber verlangsamtes Wirtschaftswachstum prägten zuletzt das Umfeld für Investoren.
Der Gegenwind dieser Gemengelage wehte stark. Die Entwicklung von festverzinslichen Anlagen wie auch die der globalen Aktienmärkte war im Juli in weiten Teilen keine allzu positive. Dies trotz der Unterstützung durch solide Unternehmensgewinne und die Erwartung einer mittelfristigen Stabilisierung des Zinsumfelds. Der wiederaufgeflammte Krieg im Mittleren Osten und die potenzielle Sperre eines weiteren Nadelöhrs der globalen Energieversorgungskette sorgen für Spannung und Nervosität unter den Investoren.
Eine Frage steht dabei zunehmend im Vordergrund: Inwieweit spiegeln die hohen Bewertungen einzelner Marktsegmente bereits die sehr optimistischen Zukunftserwartungen wider. Die Diskrepanz zwischen wirtschaftlichen Herausforderungen und einer stark positiven Entwicklung vieler Finanzmärkte blieb damit eines der bestimmenden Merkmale der letzten Wochen und Monate.
Anleihenmärkte
Insbesondere die festverzinslichen Märkte spürten den Gegenwind der erstarkten Inflationsunsicherheit. Während die Europäische Zentralbank nach der Zinserhöhung im Juni zuletzt eine Pause einlegte und die Leitzinsen unverändert beließ, betonte sie zugleich ihre datenabhängige Haltung und die Notwendigkeit, Inflationsrisiken weiterhin aufmerksam zu beobachten. In den USA blieb die Federal Reserve ebenfalls auf einem vorsichtigen Kurs. Die Inflation zeigt sich hartnäckiger als erwartet, während der Arbeitsmarkt trotz erster Abkühlungstendenzen robust hält. Entsprechend preisen die Märkte auch hier die zunehmende Chance einer Zinserhöhung ein. Marktteilnehmer rechnen sowohl für den Euroraum als auch für die USA mit einem Zinsschritt nach den Sommerwochen (September/Oktober).
Die vorherrschenden Rahmenbedingungen drückten die Renditen von Staatsanleihen sukzessive nach oben. Die Renditen 10jähriger deutscher Staatsanleihen erreichten mit 23. Juli den höchsten Stand seit rd. 3 Jahren. In den USA liegt die Rendite mit rd. 4,65% noch leicht unter dem Hoch von 5%, das im Zuge des letzten Inflationsanstieges im Q4 2023 erreicht wurde.
Die Zinskurven verschieben sich grundlegend nach oben und in Anbetracht des sehr hohen Refinanzierungsbedarfes des einen od. anderen Staates bleiben die nächsten Quartale spannend. Aufgrund der geopolitischen Situation kürzen traditionelle Käufer von Staatsanleihen zusehends ihre Investments, was die Situation zusätzlich anspannt.
Unternehmensanleihen profitierten weiterhin von der Suche institutioneller Investoren nach attraktiven laufenden Erträgen. Die Risikoaufschläge im Investment-Grade-Segment blieben eng, während sich im schwächeren High-Yield-Bereich erste Differenzierungstendenzen zeigten.
Wenn auch bisweilen noch nicht realisiert, bestätigt das Marktumfeld die Attraktivität des festverzinslichen Bereichs. Nach Jahren negativer Realrenditen bieten Staats- und Unternehmensanleihen wieder positive Erträge, die sowohl aus Rendite- als auch Diversifikationsgesichtspunkten überzeugen.
Aktienmärkte
Die internationalen Aktienmärkte präsentierten sich im Juli 2026 zumeist schwächer. In Anbetracht der geopolitischen Spannungen und anhaltender Handelskonflikte ist diese Robustheit durchaus bemerkenswert. Treiber der positiven Entwicklung im ersten Halbjahr waren vor allem die steigenden Gewinnerwartungen im Technologiesektor sowie die Hoffnung auf eine nicht allzu restriktive Geldpolitik in den USA und Europa.
Gleichzeitig zeigte sich eine zunehmende Marktverbreiterung: Während die Performance in den vergangenen Quartalen stark von wenigen KI- und Halbleiterunternehmen getragen wurde, rückten zuletzt auch Finanzwerte, Industrieunternehmen sowie ausgewählte Gesundheitstitel stärker in den Fokus.
Die Berichtssaison steht dabei unter besonderer Beobachtung. Nach den massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz verlangen Investoren zunehmend den Nachweis, dass sich diese Ausgaben in nachhaltig steigenden Umsätzen und Margen niederschlagen. Entsprechend nahm die Nervosität bei einigen hoch bewerteten Aktien zu. Die Gewinnschätzungen steigen zwar weiter, die Bewertungen werden jedoch zunehmend kritischer hinterfragt als noch zu Jahresbeginn. Die aktuelle Berichtssaison für die Ergebnisse im Q2-2026 veranschaulicht dies recht gut. Sensationelle Ergebnisse (bspw. Alphabet Inc. etc.) drücken sich nicht unmittelbar in steigenden Kursen aus. Immer mehr rückt die Visibilität einer erfolgreichen Monetarisierung der Megainvestitionen in den Vordergrund. Die sich in den letzten Jahren zunehmend aufgebaute KI-Phantasie wird nun auf Wirtschaftlichkeit getestet. Eine Entwicklung, die wohl ein jeder von uns gutheißen soll.
Wenngleich die USA dank ihrer dominanten Stellung entlang der KI-Wertschöpfungskette weiterhin die Entwicklungen anführen, wird diese Führerschaft zunehmend durch effizientere chinesische Modelle angetestet. Der Abstand der beiden Länder scheint sich zunehmend zu verkleinern – der globale Wettbewerb ist voll entbrannt.
Die europäische Industriestruktur ist bekanntlich weniger technologiestark strukturiert und könnte von den extrem hoch gesetzten Erwartungen und diesem ständigen Übertreffen dieser, zumindest im relativen Kontext, eher profitieren können. Diesen Rahmenbedingungen stehen allerdings den hierzulande stark angestiegenen Energiepreise entgegen, die eine stärkere Renaissance der heimischen Märkte eher zurückhalten. Dies gilt auch für Schwellenländer, wenngleich die hohe Technologie- und Halbleiterlastigkeit in Taiwan und Südkorea ebenso zu stärkeren Abverkäufen führte.
Für institutionelle Investoren bleibt das Umfeld weiterhin konstruktiv. Die Kombination aus robustem Gewinnwachstum, moderater Inflationsentwicklung und perspektivisch nicht ausufernden Zinserhöhungen spricht weiterhin für eine Allokation in Aktien. Allerdings dürfte die zweite Jahreshälfte weniger von einer breiten Bewertungsausweitung als vielmehr von einer sorgfältigen Titelselektion und der tatsächlichen Monetarisierung des KI-Booms geprägt sein.
Währungen & Edelmetalle
Auch die Devisen- und Rohstoffmärkte standen zuletzt im Zeichen geopolitischer Risiken und deren Auswirkungen auf Inflationserwartungen. Der US-Dollar legte gegenüber den meisten Hauptwährungen zu, gestützt durch robuste US-Konjunkturdaten, steigende Renditen von US-Staatsanleihen sowie der Erwartung einer weiterhin restriktiven Geldpolitik. Der Euro geriet dagegen unter Druck – die hohen Energiepreise treffen Europa stärker. Der japanische Yen setzte seine Schwäche fort. Die Kombination aus einem schwachen Yen und der bereits hohen Kapitalmarktrenditen japanischer Staatspapiere macht eine Rückkehr des seit Jahrzehnten im Ausland investierten Kapitals japanischer Anleger immer wahrscheinlicher.
An den Rohstoffmärkten dominierten Sorgen über mögliche Angebotsunterbrechungen im Nahen Osten. Der Ölpreis verzeichnete im Monatsverlauf einen deutlichen Anstieg und erreichte zeitweise wieder die Marke von 100 USD je Barrel (Brent). Die damit verbundenen Inflationsrisiken belasteten die Kapitalmärkte und erhöhten die Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Zinspolitik der Notenbanken. Gold pendelt rund um 4000,- USD pro Unze und zeigt sich trotz eines starken USDs und höherer Realzinsen widerstandsfähig. Zentralbanken treten weiterhin als strategische Käufer des Edelmetalls auf. Insgesamt blieb das Umfeld für Währungen und Rohstoffe von hoher Volatilität und geopolitischen Einflussfaktoren geprägt.
Ausblick
Angesichts der geopolitischen Vorzeichen und der damit verbundenen Einflussgrößen zeigen sich die globalen Kapitalmärkte an sich bemerkenswert widerstandsfähig. Dies sollte vorerst auch so bleiben. Zwar dürften erhöhte Bewertungen und geopolitische Risiken immer wieder für Volatilität sorgen, gleichzeitig sprechen die positive Gewinnentwicklung, die fortschreitende Monetarisierung des KI-Booms und stabile Unternehmensbilanzen für weiterhin attraktive Renditechancen. Entscheidend wird sein, zwischen kurzfristigen Schlagzeilen und langfristigen strukturellen Trends zu unterscheiden. Wenngleich die Zeichen im Irankrieg weiterhin auf Eskalation stehen, wird sich dieser wohl auch wieder beruhigen. Die angestiegenen Basisrenditen und die in diesem Kontext erwartbaren Erträge festverzinslicher Investments erachten wir im Kontext zur Aktienbewertung als definitiv interessant.
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