02. Juni 2026

Inflation klopft an, Aktien feiern– die Börse bleibt ein Optimist

In a Nutshell:

  • Internationale Kapitalmärkte bewegen sich im Spannungsfeld aus geopolitischen Risiken, steigenden Inflationserwartungen und robusten Aktienmärkten.
  • Lieferkettenunterbrechungen und Preisanstiege erhöhen den Druck auf Notenbanken und Anleiherenditen.
  • Zinskurven verflachen sich zusehends – zwischenzeitliche Renditeausschläge wieder korrigiert – Risikoaufschläge engen sich weiter ein.
  • Gleichzeitig zeigen sich die internationalen Aktienmärkte bemerkenswert widerstandsfähig. Solide Unternehmensgewinne und anhaltende KI-Euphorie stützen.
  • Das Marktumfeld bleibt konstruktiv, wenngleich die Volatilität zunimmt und die Risikobalance anspruchsvoller wird.

Die Kapitalmärkte werden derzeit nicht allein von Konjunkturdaten und Zentralbankrhetorik bestimmt, sondern es sind immer noch die bekannten geopolitischen Themen, die für Ungemach sorgen. Die Eskalation rund um den Iran legt die Verwundbarkeit globaler Lieferketten im Bereich Energie, Helium, Dünger etc. schamlos offen. Auch wenn sich Marktteilnehmer rund um den Globus zunehmend müde ob der hoch volatilen Nachrichtenflut zeigen, zeugen die Preisanstiege in vielen dieser Grundstoffbereiche von der globalen Verwundbarkeit. Damit kehrt ein Thema zurück, das bereits vielerorts als beherrschbar galt: Inflation. Steigende Öl- und Gaspreise wirken dabei nicht nur unmittelbar auf die Preisentwicklung, sondern drücken auch die Erwartungen an Geldpolitik und Finanzierungskosten nach oben.

Besonders sichtbar ist diese Neubewertung an den Rentenmärkten. Steigende Anleiherenditen reflektieren nicht nur die absehbaren Zinsanstiege der Notenbanken, sondern preisen auch künftige Inflationsanstiege mit ein. Dahingehend wird die EZB wohl im Juni reagieren und mit einer Erhöhung des Geldmarktzinses den ersten Schritt setzen. Zumindest eine weitere Erhöhung ist für die zweite Jahreshälfte zu erwarten. Unbeeindruckt von diesem geldpolitischen Gegenwind und beherrscht von einem zentralen Thema beweisen die globalen Aktienkurse weiterhin Stärke. Die Stimmung ist derweilen gut – Kurssprünge neigen jedoch immer öfter ins Extrem.

Die Kapitalmärkte verlassen damit ein Umfeld relativer Berechenbarkeit und treten in eine Phase ein, in der nicht nur geopolitische Risiken, sondern auch reale Preisimpulse und monetäre Reaktionsfunktionen der Zentralbanken wieder enger miteinander verknüpft sind. Für Investoren bedeutet dies eine Rückkehr zu einem anspruchsvolleren Marktregime mit höheren Korrelationen und schwindenden Diversifikationseffekten.

Anleihenmärkte

Die internationalen Rentenmärkte standen zuletzt im Spannungsfeld der erneuten Inflationsneubewertung, ausgelöst durch den geopolitischen Schock im Zuge der Eskalation rund um den Iran. Der deutliche Anstieg der Energiepreise wirkte unmittelbar auf Inflationserwartungen und führte zu einer Anpassung der Zinsstrukturkurven in den großen Währungsräumen.

Zwischenzeitig zogen die Renditen, sowohl in den USA als auch in Europa, über weite Teile der Zinskurve erheblich an, wobei sich das kurze Ende besonders sensitiv gegenüber den veränderten geldpolitischen Erwartungen zeigte. Marktteilnehmer preisen mit zwei Zinserhöhungen zu je 25 Bps. in diesem Jahr ein Szenario der geldpolitischen Straffung ein. Meldungen dahingehend, dass zwischen den Konfliktparteien im Nahen/Mittlerer Osten zumindest Verhandlungen stattfinden, schickten die Anstiege der längerfristigen Renditen wieder auf Talfahrt.

Charakteristisch für die Marktbewegung ist dabei die Verflachung der Zinskurven. Während kurzfristige Renditen deutlich anzogen, blieb die Bewegung langfristiger Renditen wegen wachstumsseitiger Unsicherheiten gedämpft. Diese Konstellation signalisiert derzeit ein anspruchsvolles Umfeld, in dem sowohl konjunkturelle Abschwächungen als auch Inflationstendenzen an Bedeutung gewinnen.

Auf der Credit-Seite zeigte sich ein differenziertes Bild. Während sich Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen im März d. J. kurzfristig stark ausgeweiteten, haben sich die zuletzt wieder eingeengt und stabil entwickelten. Ähnliches gilt für das gesamte Segment der Emerging Markets.

Aktienmärkte

Trotz der anspruchsvollen Rahmenbedingungen zeigen sich die globalen Aktienmärkte im Mai bemerkenswert resilient. Treiber dieser Entwicklung bleibt primär die Gewinnseite. Insbesondere in den USA überraschten Unternehmen im ersten Quartal erneut positiv. Getragen wird diese Entwicklung primär von der robusten Nachfrage/den anhaltenden Investitionen im IT-Sektor. Angesichts der hohen Energiepreise und des stotternden Konjunkturmotors fällt die Gewinndynamik in Europa etwas schwächer aus.

Es dominiert weiterhin das Thema der Künstliche Intelligenz. Hohe Investitionen in Rechenzentren und Infrastruktur sorgen für überdurchschnittliches Gewinnwachstum in den betreffenden Branchen. An erster Stelle glänzen momentan Halbleiterunternehmen, die als Schlüsselkomponente der KI-Wertschöpfungskette fungieren. Parallel zu den teils abnormen Kurssteigerungen, die sehr an die Zeit vor knapp 30 Jahren erinnert, mehren sich kritische Stimmen, die die hohen Erwartungen zunehmend kritisch hinterfragen.

Deckungsgleich dazu entwickeln sich die beiden asiatischen Märkte Süd-Korea und Taiwan ausgesprochen gut. Diese Volkswirtschaften, und insbesondere einige wenige sehr hoch kapitalisierte Unternehmen, profitieren massiv vom aktuellen Nachfrageboom im Halbleiter-/Technologiebereich. Beide Aktienmärkte sind in international ausgerichteten Aktienindizes der Emerging Markets mittlerweile mit rd. 20% je Land gewichtet – auch ein Allzeit-Hoch.

Auch die globale Sektorenrotation gewinnt an Bedeutung. Energie- und Industriewerte konnten im Umfeld steigender Energiepreis und geopolitischer Spannungen zulegen. In den letzten beiden Monaten ebbte dieser Trend zugunsten von IT-Werten und insbesondere zum Halbleiterbreich wieder deutlich ab. Internationale Aktien aus dem Segment der Halbleitertechnologie verzeichneten in den letzten beiden Monaten einen Kursanstieg von über 45% – das KI-Fieber grassiert zusehends.

In Summe bleibt das Umfeld für Aktien konstruktiv, jedoch definitiv anspruchsvoller. Hohe Aktienbewertungen treffen auf höhere Zinsniveaus und verlieren zunehmend an Attraktivität. Auch trotzen Aktien den geopolitischen fragilen Rahmenbedingungen und preisen einen baldigen positiven Outcome ein. Dabei stellen sich Marktteilnehmer die durchaus berechtigte Frage, wie Aktienkurse im Zuge einer potenziellen finalen Einigung im Irankonflikt wohl reagieren werden.

Währungen & Edelmetalle

Auf der Währungsseite gab es zuletzt wenig Veränderungen, wobei der US-Dollar im Zuge der geopolitischen Spannungen tendenziell gegenüber dem Euro an Wert zugelegt hat.

Angesichts der eingepreisten Zinserhöhungen haben auch Edelmetalle ihren Konsolidierungspfad nach den Hochs im Januar d. J. weiter fortgesetzt. Dies gilt sowohl für den Goldpreis, der um das Niveau 4.500 USD/Unze pendelt als auch für den Silberpreis, der sich in den letzten Wochen in der Preisspanne von 75 bis 80 USD/Unze bewegt.

Ausblick

Positiv bleibt die Kombination aus zwar schwächerer aber weitaus stabiler Welt-Konjunktur, anhaltender Investitionstätigkeit und starkem Kursmomentum in ausgewählten Marktsegmenten. Die Tatsache, dass aktuell Aktienkurse einzelner Branchen schneller ansteigen als die Gewinne vieler Unternehmen, macht diese teurer und anfälliger für allfällige Störungen am Markt.

Auch steigt der Gegenwind aufgrund der höheren Ertragsaussichten auf der festverzinslichen Seite. Ein zwischenzeitliches Durchschnaufen täte den Aktienmärkten durchaus gut.

Wir erachten das aktuelle Niveau der Ertragsaussichten auf der Anleihenseite als sehr brauchbar. Damit sind definierte Zielerträge sicherer bzw. mit geringerer Verfehlungsrate erzielbar.

Alfred Kober
Vorstand, CIO, Leitung Aktienfondsmanagement
Alfred Kober

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