29. Juli 2026
New Issue Premium am Anleihenmarkt
Am Aktienmarkt werden „Neuerscheinungen“, sogenannte IPOs, wie zuletzt bei SpaceX im Juni 2026, oder Kapitalerhöhungen meist mit großer medialer Aufmerksamkeit verfolgt. Der Anleihenmarkt verzeichnet solche Neuemissionen fast täglich mit geringerem Volumen, jedoch ohne medialen Trubel. Auslaufende oder frühzeitig getilgte Bonds führen dazu, dass der Markt ständig im Wandel ist und die Refinanzierung bekannter oder neuer Marktteilnehmer täglich bepreisen muss. Um einen gewissen Anreiz für die Investoren zu bieten, neue Anleihen zu zeichnen, bietet der Markt eine sogenannte New Issue Premium (NIP), also eine etwas höhere Yield bei der Ausgabe der Bonds im Primärmarkt gegenüber den dann gehandelten Preisen am Sekundärmarkt. Mit immer mehr Kapital und dem dadurch wachsenden Nachfragedruck auf dem Anleihenmarkt wird diese NIP für Investoren immer geringer. Ob es in diesem Trend unterschiedliche Ausprägungen gibt, oder ob dieser für alle Anleihen gleichermaßen gilt, wollen wir in diesem Beitrag genauer analysieren. Für Investoren wie Emittenten ist diese Entwicklung von erheblicher praktischer Relevanz, da sie unmittelbar die Kosten der Fremdkapitalaufnahme beziehungsweise die erzielbare Mehrrendite bei der Zeichnung beeinflusst.
Dazu verwenden wir alle EUR-Neuemissionen, die im ICE BofA Global Broad Market Index seit 2023 hinzugekommen sind. Dieser bildet den globalen Investment-Grade-Anleihenmarkt mit einem Mindestvolumen von 500 Mio. Euro je Emission ab. Um die NIP berechnen und vergleichen zu können, werden außerdem nur Senior-Anleihen mit Fixkupon betrachtet, wodurch sich das Betrachtungsuniversum auf rund 3.600 Anleihen beläuft. Die New Issue Premium berechnet sich aus dem marktbewegungsbereinigten Spreadunterschied zwischen Ausgabespread und dem Spread am nächsten Business Day.
Betrachtet man den ungewichteten Median des Gesamtuniversums je Jahr, abgebildet in der Grafik unten, lässt sich ein deutlicher Trend zu einer schwindenden NIP beobachten. Während die mittlere NIP 2023 noch bei 4 Basispunkten (BPs) lag, verringerte sich diese im laufenden Geschäftsjahr 2026 auf 2,4 BPs.

Insgesamt zeichnet sich ein deutlicher Unterschied der absoluten NIP je Assetklasse ab. Unternehmensanleihen verzeichnen im Schnitt eine deutlich höhere NIP als Neuemissionen von Agencies, Covered Bonds, Regionen und Staaten. Letztgenannte Assetklasse verzeichnete zwar im Jahr 2023 eine vergleichsweise hohe Prämie, jedoch verzerrt eine Grundgesamtheit von lediglich 30 Anleihen hier etwas das Ergebnis. So können ein paar „gut gelaufene“ Emissionen den Median etwas nach oben treiben. Aber auch hier ist ein klarer Trend in Richtung einer geringeren NIP erkennbar.

Immer wieder fällt in Diskussionen über ESG das Wort „Greenium“, also ein Aufschlag beziehungsweise eine Überrendite für nachhaltige Finanzprodukte. In Bezug auf Neuemissionen am Anleihenmarkt müsste eine solche Greenium bedeuten, dass grüne Emissionen wie Green Bonds eine geringere NIP bieten müssten, somit einen geringeren Aufschlag bei der Zeichnung zahlen und damit eine günstigere Emission für den Emittenten ermöglichen. In den Daten der EUR-Bond-Emissionen der letzten Jahre spiegelt sich diese Theorie jedoch nicht wider. So gibt es, wie unten erkennbar, keine wesentlichen Unterschiede in den einzelnen Jahren zwischen Green und Non-Green Bonds, unabhängig von der Assetklasse.

Zu guter Letzt werfen wir noch einen kurzen Blick auf ein weiteres wichtiges Anleihemerkmal, nämlich das Rating. Wie auch schon in den obigen Beobachtungen zeichnet sich hier erneut das gleiche Bild ab. Über die Jahre verringerte sich die New Issue Premium über alle Ratingkategorien hinweg. Auch wenig überraschend ist die Tendenz, dass je schlechter das Rating der Anleihe ist, desto höher die mittlere Prämie bei der Emission.
Betrachtet man jedoch die Verteilung der BBB-gerateten Unternehmensanleihen genauer, fällt einem schnell ein interessantes Detail auf. Es hat sich nicht nur der Median bzw. Mittelwert über die Jahre verringert, sondern vor allem die Streuung reduziert. Demnach gibt es deutlich mehr Anleihen, die bei der Emission fair auf der Kurve oder nur mit geringer Prämie bepreist werden. Große Unterschiede bei den Emissionen sind also deutlich seltener geworden.


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass am Markt gezahlte New Issue Premiums für EUR-Bonds sich über die letzten Jahre unabhängig von Assetklasse, Rating oder Nachhaltigkeit deutlich verringert haben. Gleichzeitig sind extreme Ausreißer nach oben und unten seltener geworden. Ein Grund für die niedrigeren Prämien kann vor allem die steigende Nachfrage am Fixed-Income-Markt sein. Durch das aktuell höhere Zinsniveau befindet sich der Markt im Betrachtungszeitraum eher auf der „Buy-Side“, wodurch gewisse Anleihen am Sekundärmarkt nur schwer erwerbbar sind. Als Resultat ist das nachgefragte Volumen bei Primäremissionen deutlich gestiegen und reduziert somit die nötige New Issue Premium für die Zeichnung der Investoren. Eine ähnliche Tendenz sollte man daher auch im USD-Markt sowie im Emerging-Markets- und High-Yield-Segment beobachten können.
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