Blog / Nachhaltigkeit
22. Mai 2026
Von „braun“ zu „grün“: Transition Bonds als Schlüssel zur Dekarbonisierung
Der Markt für nachhaltige Anleihen entwickelt sich kontinuierlich weiter. Dabei steht gegenwärtig weniger das Wachstum des Emissionsvolumens im Vordergrund als vielmehr die Optimierung von Strukturen, die Einführung strengerer Standards sowie die Entwicklung spezifischer nachhaltiger Finanzinstrumente.
Im aktuellen Fokus stehen dabei sogenannte Transition Bonds. Diese gibt es seit den Jahren 2018/2019; sie wurden insbesondere als Finanzierungsinstrument für CO₂-intensive Branchen entwickelt. Da Unternehmen aus emissionsstarken Sektoren die hohen Anforderungen klassischer Green Bonds häufig nicht erfüllen können, sind sie auf alternative, nachhaltige Finanzierungsformen angewiesen. Transition Bonds schließen somit die Finanzierungslücke zwischen konventionellen Unternehmensanleihen und Green Bonds.
Das Thema der „Green Transition“ gewann zunächst vor allem in Japan und Europa an Bedeutung. Einen wesentlichen Meilenstein stellte die Veröffentlichung des Climate Transition Finance Handbook durch die International Capital Market Association (ICMA) im Jahr 2020 dar. Dieses Handbuch legte die grundlegenden Prinzipien und Rahmenbedingungen für den Markt der Transition Bonds fest.
In den Jahren 2019 und 2020 erfolgten die ersten größeren Emissionen durch Unternehmen aus der Stahl-, Chemie- und Energieindustrie sowie durch Fluggesellschaften. Einen weiteren bedeutenden Entwicklungsschub erhielt der Markt ab 2021 durch die verstärkte regulatorische Ausrichtung auf Klimaziele – insbesondere im Zusammenhang mit Net-Zero-Strategien sowie der Einführung der EU-Taxonomie-Verordnung. In den Jahren 2024 bis 2026 wurde der Markt für Transition Bonds zunehmend standardisiert. Dazu zählen strengere Anforderungen an Key Performance Indicators (KPIs), verstärkte externe Verifizierungen sowie eine intensivere Regulierung zur Vermeidung von Greenwashing. Dadurch soll die Glaubwürdigkeit und Transparenz von Transition Bonds langfristig gestärkt werden.
Die genaue Anzahl bislang emittierter Transition Bonds lässt sich nur schwer bestimmen. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass diese Anleihen in Datenbanken wie Bloomberg häufig nicht eindeutig als „Transition Bonds“ gekennzeichnet sind; die entsprechende Klassifizierung ist oftmals nur im „Use of Proceeds“ ersichtlich. Das tatsächliche Marktvolumen wird daher häufig unterschätzt, da zahlreiche Transition Bonds weiterhin unter anderen Kategorien wie Green Bonds, Sustainability Bonds oder Sustainability-Linked Bonds geführt werden. Die fehlende einheitliche Definition und Standardisierung erschwert somit eine präzise Marktanalyse.
Die Auswertung verschiedener Studien und Marktberichte zeigt jedoch, dass der eigentliche Durchbruch der Transition Bonds insbesondere ab dem Jahr 2024 zu beobachten war. Wesentliche Treiber dieser Entwicklung waren die zunehmende Bedeutung des ICMA Climate Transition Finance Handbook, die Einführung und Weiterentwicklung der EU-Taxonomie-Verordnung, regulatorische Net-Zero-Vorgaben sowie das steigende Interesse institutioneller Investoren an der Finanzierung sogenannter „hard-to-abate sectors“ – also schwer dekarbonisierbarer Industrien. Insbesondere emissionsintensive Branchen wie Stahl, Chemie, Energie und Transport rückten dadurch verstärkt in den Fokus nachhaltiger Kapitalmarktfinanzierungen.
Geschätzte globale Emissionen von Transition Bonds:
| Jahr | Volumen |
| 2019 | < 1 Mrd. USD |
| 2020 | ca. 1–2 Mrd. USD |
| 2021 | ca. 5–7 Mrd. USD |
| 2022 | ca. 3.5 Mrd. USD |
| 2023 | ca. 6–10 Mrd. USD |
| 2024 | deutlicher Anstieg, genaue Zahlen je nach Definition 10–20+ Mrd. USD |
Der bislang am weitesten entwickelte Markt für Transition Bonds befindet sich in Japan. Das Land verfügt über klar strukturierte Transition-Finance-Guidelines, detaillierte sektorale Dekarbonisierungspfade sowie eindeutige Anforderungen an das Reporting. In der Europäischen Union wird das Thema Transition Finance insbesondere im Rahmen der EU-Taxonomie-Verordnung behandelt. Dort ist es bislang eher indirekt definiert, weshalb Projekte, die nicht vollständig als „grün“ klassifiziert werden können, strengen Dokumentations- und Offenlegungspflichten unterliegen. Dadurch soll vor allem das Risiko von Greenwashing reduziert werden.
Eine der ersten bedeutenden Transition-Bond-Emissionen erfolgte im Jahr 2021 durch das japanische Unternehmen Nippon Yusen Kabushiki Kaisha (NYK Line). Mit den Emissionserlösen wurden Schiffe mit reduzierten Emissionen finanziert. Ein weiteres Beispiel stellt das italienische Unternehmen Snam dar, das im Jahr 2023 einen Transition Bond im Umfang von 500 Millionen Euro emittierte, um die Transformation der Gasinfrastruktur voranzutreiben. Auch Industrieunternehmen wie Mitsubishi Heavy Industries nutzen Transition Bonds zur Finanzierung von Projekten im Bereich der Energy Transition sowie der industriellen Dekarbonisierung. Darüber hinaus ist die Stahlindustrie besonders stark im Markt für Transition Bonds vertreten. Unternehmen wie JFE Holdings oder ArcelorMittal finanzieren mithilfe dieser Instrumente Maßnahmen zur Emissionsreduktion und zur Umstellung auf CO₂-ärmere Produktionsverfahren.
Insgesamt stellen Transition Bonds ein zukunftsorientiertes Finanzierungsinstrument dar. Sie unterstützen Unternehmen auf ihrem Dekarbonisierungspfad. Damit ermöglichen sie emissionsintensiven Branchen den Zugang zu nachhaltigen Finanzierungen und schließen die Lücke zwischen konventionellen Unternehmensanleihen und klassischen Green Bonds. Trotz des weiterhin bestehenden Bedarfs an regulatorischer Standardisierung und erhöhter Transparenz besitzen Transition Bonds das Potenzial, die Transformation von fossilen hin zu klimafreundlicheren Wirtschaftsstrukturen wesentlich zu unterstützen und damit zur Erreichung der Klimaziele des Pariser Abkommens beizutragen.
https://doi.org/10.1787/68becf35-en.
Global sustainable finance outlook 2026 executive summary
Transition Bond Issuance to Double in 2026: Moody’s – ESG Today
Transition Finance / METI Ministry of Economy, Trade and Industry
Japan’s Nippon Life announces transition finance guidelines | Reuters
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