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21. August 2026
Wer hat was gegen Anleihen – Alle!
Man muss jetzt schon bis zur Finanzkrise 2008/2009 zurückblicken, um auf ähnliche Renditen zu stoßen, welche wir derzeit bei den vielen (Staats-) Anleihen sehen.
Tag für Tag steigen die Renditen munter weiter und so wird der Anleihenmarkt zunehmend zu einer tickenden Zeitbombe für die Finanzmärkte. Das betrifft vor allem die USA, Europa inklusive UK und Japan, das Land mit der weltweit höchsten Staatsverschuldung.
Korrektes Management vorausgesetzt, reicht die Spanne der künftigen Renditen von knapp 4% bei sicheren (?) Staatsanleihen bis hin zu über 6% bei offensiveren
Titeln wie Hochzins- und Schwellenländer-Anleihen. Vor fünf Jahren waren die Renditen noch um rund 4%-Punkte tiefer.
Was ist nun der Grund für diese Abneigung gegenüber staatsnahen festverzinslichen Papieren? Warum haben sich die Investoren, welche noch vor fünf Jahren für überzeichnete Emissionen bei negativen Renditen sorgten, nunmehr vom Markt abgewendet? Da gibt es sicher triftige Gründe, welche von Analysten auch Mantra-artig wiederholt werden.
- Die hohen und weiter zunehmenden Staatsverschuldungen, vor allem in der westlichen Welt und China.
- Die hohe Risikobereitschaft der Investoren, welche im Sog der Euphorie um die künstliche Intelligenz selbst die optimistischsten Prognosen glauben und damit Anleihen unattraktiv finden.
- Die Historie der letzten fünf Jahre, welche für die meisten Anleihekategorien historisch hohe Kursverluste brachte.
- Die aufgrund multipler geopolitischer Krisen latente Inflationsgefahr, weiter befeuert durch jüngst gestiegene Preise fossiler Energie.
- Hochvolumige Bond-Emissionen seitens der US-Technologiefirmen zur Finanzierung der Ausgaben für die KI.
- Teilweiser Vertrauensverlust in die neue, von Präsident Trump etablierte Führung der US-Notenbank.
Natürlich sind das gewichtige Argumente. Allerdings werden der Haupttreiber wohl die Punkte 1,2 und 5 sein, denn die Investoren zeigen tatsächlich eine extreme Risikoneigung. Doch durch die stetig steigenden Anleiherenditen sinken die Risikoprämien für Aktien ständig weiter und nähern sich in den USA schon der Null-Linie … Auch nicht zinstragende Instrumente, wie Gold oder Kryptowährungen halten sich im herrschenden Hochzinsumfeld in den letzten Monaten vergleichsweise stabil, ein Zeichen für anhaltenden Risikoappetit.
Fernab vom Marktlärm und bei objektiverer Betrachtung der Faktenlage, lassen sich ohne weiteres auch Argumente für Anleihen finden. Bei der herrschenden Stimmungslage scheinen
diese aber für die überwältigende Mehrheit der Marktteilnehmer irrelevant, ja vielleicht inexistent. Dennoch wage ich einen Versuch:
- Die aktuelle Börsehausse dauert mit kurzen Unterbrechungen (Euro-Krise, Covid-19, Ukrainekrieg) bereits 17 Jahre. In dieser Zeit sind die Weltaktienindizes um weit über 1000% gestiegen. Die Weltwirtschaft als Treiber aller Wertschöpfung allerdings nominell um nur wenige 100%. Fundamental teils extrem hohe Bewertungen sind die Folge.
- Die Bewertungen vieler (Technologie-) Aktien sind astronomisch hoch bis absurd. Vor allen die Unternehmen von Elon Musk (Tesla, Space-X) zeichnen sich durch extrem hohe Bewertungen, in Summe rund 3.000 Milliarden USD, aus. Der Mann mit der Motorsäge schafft es immer wieder, betuchte Investierende, um sich zu scharen. Dass seine Unternehmen durch hohe KI-Investitionen jetzt und in den nächsten Jahren massiv Geld verbrennen, spielt keine Rolle.
- Die Inflationsraten scheinen insbesondere in Europa durch die beherzte Notenbankpolitik in Form von anstehenden Zinserhöhungen mittelfristig im Griff. Genau das zeigen auch Inflationsswaps, welche im Gegensatz zu unverbindlichen Analystenschätzungen mit geldwerten Einsätzen untermauert sind.
- Das Wirtschaftswachstum in Europa ist und bleibt äußerst schwach. Die De-Industrialisierung unseres Kontinents schreitet voran. Wieder steigende Geldmarktzinsen verstärken den Gegenwind weiter.
- Die Renditen längerlaufender EUR- und USD-Staatsanleihen übersteigen den Wert des jeweiligen nominellen (=real plus Inflation) Wirtschaftswachstums deutlich, einem Zustand, der selbst ohne Neuverschuldung langfristig in einem Staatsschulden-Disaster endet. Selbst die Geldmarktzinsen werden nach den kommenden Zinserhöhungen der EZB die Inflation deutlich übersteigen.
- Die aktuell restriktive Phase der Notenbanken, vor allem in Europa, wird angesichts der anhaltend schwachen Konjunktur mittelfristig enden müssen, um günstige Rahmenbedingungen für eine international wettbewerbsfähige Wirtschaft zu schaffen. Je länger dies verzögert wird, desto schwerwiegender werden künftige Eingriffe ausfallen.
Meines Erachtens gibt es für Anleiheinvestoren wenig Grund zur Verzweiflung. Sachverhalte, Meinungen und Emotionen ändern sich oft rasch, ohne Vorankündigung. Dies wäre eine willkommene Kompensation für die härtesten zehn letzten Jahre, die Anleihegläubiger je zu überstehen hatten …
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