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07. August 2024
Japans Nikkei erlebt schlimmsten Tag seit 1987
Am Montag, dem 5. August 2024, fiel Japans Nikkei-Aktienindex um 12,4 %, zeitweise sogar um mehr als 15 %. Schlechte US-Wirtschaftsdaten und der steigende Yen belasteten die Märkte, was Erinnerungen an den Schwarzen Montag wachrief.
Der Wandel von optimistischen zu pessimistischen Wirtschaftsaussichten, zusammen mit nachlassendem Interesse an künstlicher Intelligenz, erhöhte die Unsicherheit. Zusätzlich verstärkte Warren Buffett (Berkshire Hathaway) durch den Verkauf der Hälfte seiner Apple-Aktien den Verkaufsdruck weiter. Innerhalb von weniger als vier Wochen verlor der Nikkei über 25 %, nachdem er am 11. Juli ein Allzeithoch erreicht hatte. Der Yen stieg von etwa 161 auf etwa 142 zum Dollar. Diese schnellen Marktbewegungen spiegelten die Reaktionen der Anleger auf Entwicklungen in den USA und Japan wider.
Während sich die Zinsen in den USA immer noch auf einem deutlich höheren Level befinden, macht die kleiner werdende Zinsdifferenz den Yen (relativ betrachtet) attraktiver. Jahrelang finanzierten – dank der ultraniedrigen Zinsen in Japan – globale Investoren riskantere Anlagen mit dem japanischen Yen. Die Zinserhöhung der Bank of Japan am 31. Juli führte dazu, dass der Yen in der vergangenen Woche um etwa 7,6 % gegenüber dem US-Dollar aufwertete. Der steigende Yen verstärkte den Druck auf diese sogenannten „Carry Trades“. Dies wiederum führte zu Nachschussforderungen und zwang Anleger Yen zu kaufen, um ihre Positionen abzudecken. In Folge dessen stieg der Kurs der Währung weiter an.
Am 5. August war das Handelsvolumen in Tokio mehr als doppelt so hoch wie der Tagesdurchschnitt des Vorjahres. Die Flucht in sichere Anlagen ließ die Rendite der 10-jährigen japanischen Staatsanleihe auf 0,75 % sinken. Ein stärkerer Yen schwächt die Wettbewerbsfähigkeit japanischer Exporteure und minderte deren in Yen gerechnete Einnahmen. Die schwache Nachfrage in den USA könnte ebenfalls japanische Unternehmen treffen. Aber auch japanische Finanzinstitute waren am 5. August 2024 stark betroffen, da sie aufgrund des Rückgangs der langfristigen Zinssätze nicht von der Zinsdifferenz profitieren können. Solche Bewegungen sind typisch für große Marktereignisse wie Covid oder die Finanzkrise 2008.
Die Märkte müssen in den kommenden Tagen zeigen, ob sie sich stabilisieren können. Japanische Aktien wurden durch die Auflösung großer Positionen getroffen, die bis vor kurzem von internationalen Investoren aufgebaut worden waren. Zunächst flossen im Zuge des AI Hypes die Veranlagung in große US-Technologiewerte, die darauf auf die asiatischen Märkte überschwappten, insbesondere aufgrund der Rolle taiwanesischer, südkoreanischer und japanischer Unternehmen in der globalen Technologie-Lieferkette. So verlor der Hersteller von Maschinen für die Halbleiterherstellung, Tokyo Electron, am 5. August 18 % und war seit seinem Höchststand im April 2024 um 46 % gesunken.
Dieser Rückgang unterscheidet sich jedoch vom Absturz Anfang der 1990er Jahre, als japanische Aktien zu überhöhten Bewertungen gehandelt wurden. Damals erreichten die Immobilienpreise in Japan außergewöhnliche Höhen, wie am Beispiel des Kaiserpalasts veranschaulicht, der angeblich so viel wert war wie der gesamte US-Bundesstaat Kalifornien. Insgesamt bleibt Japan anfällig für solche Flash-Crashs, da die niedrigen Zinsen viele Anleger zu Carry Trades verleiten. Immerhin zeigten sich zu Beginn der Woche Anzeichen einer Stabilisierung, da neue US-Wirtschaftszahlen besser als erwartet ausfielen.
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